Von 23. bis 25. Oktober 2017 fand an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck ein hochkarätig besetztes Symposion zu apokryph gewordenen Geburts- und Kindheitserzählungen statt. Organisiert wurde die Tagung vom Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie sowie vom Forschungszentrum „Synagoge und Kirchen“ unter Federführung von Thomas Karmann, Boris Repschinski SJ und Andrew Doole.

Neben vier Referenten aus der Fakultät konnte eine stattliche Anzahl renommierter Apokryphen-Forscher aus Armenien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, der Schweiz und den USA gewonnen werden. Im Zentrum der Konferenz stand das Protevangelium Jacobi, eine der bekanntesten, aber auch ältesten apokryphen Schriften, die eine enorme Wirkungsgeschichte in Kunst und Liturgie aufweist. Darüber hinaus wurden aber auch spätere Texte wie das armenische Kindheitsevangelium, die von Brent Landau neu entdeckte Revelatio Magorum oder die verschiedenen lateinischen Traditionen in den Blick genommen.

Hinsichtlich des Protevangeliums konnte das Symposion eine ganze Reihe neuer Perspektiven für die künftige Forschung eröffnen, herausgestellt wurde unter anderem der eindeutig christologische Skopus und das jüdisch-biblische Setting der Schrift. Umstritten blieb, ob der jüdische Hintergrund des Protevangeliums Rückschlüsse auf eine Verwurzelung in jüdisch-christlichen Gemeinden schließen lässt, oder ob die Darstellung jüdischer Gebräuche und Traditionen ein fiktiver, literarischer Kunstgriff ist.

Sehr erfreulich war, dass neben den Experten aus aller Welt auch zahlreiche Studierende und Gäste an der Tagung teilnahmen. Die Konferenz wurde großzügig vom Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“ unterstützt. Die Beiträge sollen 2018 in der von Jan Bremmer und Tobias Nicklas herausgegebenen Reihe Studies on Early Christian Apocrypha bei Peeters in Löwen erscheinen.