1. Schöne Frauen in schönen Autos
Designersonnenbrillen, perfekt geschminkt, alta moda, und das im Range Rover, Jaguar und Mercedes. Man sieht auch Ferrari, Bentley und Rolls Royce. Schöne Frauen und Luxusautos prägen das Stadtbild.

2. Vitalität und Lebensfreude
Natürlich gibt es Verkehrschaos, Müllberge, Umweltverschmutzung und abenteuerliche Fahrten im Sammeltaxi, aber auch viel Begegnung, Lebensfreude, Gastfreundschaft und Herzlichkeit! Ob die Menschen hier glücklicher sind oder zuhause?

3. Kommunitätsleben
Einmal in Monat gibt es eine Kommunitätsmesse, jede Woche am Montag ein Abendgebet und am Samstag ein besonders gutes Mittagessen, – und jeweils anschließend drinks. Beginn und Ende der Mahlzeiten sind offen.

4. Generalsbrief und Hilflosigkeit
Anlässlich des letzten Generalsbriefs hat der Superior zu einem freiwilligen Gespräch eingeladen. In meiner Kleingruppe haben wir etwa 45 Minuten gesprochen. Der Text ist schön, tief, reich. Ein Mitbruder hat die Frage gestellt, was das mit unserem Leben zu tun hat.

5. Bischof von Aleppo
Mit dem Bischof von Aleppo habe ich mich zu einem Gespräch über eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit getroffen. Von den 150.000 Christen vor dem Krieg sind noch 50.000 dort. Er hat die Initiative “Morgenstern” ins Leben gerufen, um älteren Menschen zu helfen. Wie kann es gelingen, Medikamente in die Stadt zu bekommen? Wie kann man Heizmaterial für die kalten Wintermonate organisieren?
Im Bischofshaus gibt es noch eine Jugendorganisation mit ca. 50 Mitgliedern.

6. Mittagessen mit Mohannad und seinen Freunden
Am letzten Sonntag habe ich zusammen mit Mohannad eingekauft und war dann in seiner Wohngemeinschaft zu Gast. Er und seine 7 Kumpels sind aus Homs, wo wir ein Kolleg und eine Schule haben/hatten. Sie gehören zu jenen ca. 1,5 Millionen geflüchteten Syrern, die im Libanon leben, – ohne festes Einkommen, ohne Unterstützung, ohne Krankenversicherung, in prekären Wohnsituationen. Die Freude über meinen Besuch war überwältigend. Sie haben darauf bestanden, mich einzuladen.

7. Sozialarbeit und Mission
Abid ist ein Flüchtling aus Derisor, dessen Elternhaus vor drei Tagen von Terroristen zerstört worden ist. Ich lerne jeden Tag ein wenig Englisch mit ihm. Er lebt in einer Baracke am Strand, zusammen mit seinem Bruder. Aus unserer Perspektive ist die materielle Not erdrückend. Abid möchte weder bemitleidet noch unterstützt werden. Er freut sich über Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Respekt. – In welchem Verhältnis stehen Sozialarbeit im Sinne materieller Unterstützung und Mission verstanden als Weitergabe von Glaube, Hoffnung und Liebe?
Wenn ich mein Leben bedenke, frage ich mich, ob es nicht am sinnvollsten wäre, hier zu bleiben?

P. Martin Rauch SJ

P. Martin Rauch SJ hat nach Beendigung seiner Studentenseelsorgearbeit in Graz eine zweimonatige Sabbatzeit im Libanon verbracht. Er hat begonnen Arabisch zu lernen und Projekte für seine zukünftige Tätigkeit als Flüchtlingsseelsorger in Wien zu entwickeln.