Von 27. bis 30. Dezember 2017 versammelten sich 140 Jesuiten, die meisten davon aus Frankreich, Südbelgien, Luxemburg, Griechenland, Mauritius und der Réunion, im spirituellen Zentrum „Châtelard“ in der Nähe von Lyon, Frankreich. Es war das erste gemeinsame Symposium der neu gegründeten Provinz EOF (Europe Occidentale Francophone). Das Thema des Treffens war „Die Präsenz der Gesellschaft Jesu unter jungen Menschen im Licht der Jugendsynode 2018“.

Als österreichischer Scholastiker im ersten Jahr des Studiums am Centre Sèvres (Theologisch-philosophische Fakultät der Jesuiten in Paris) war es für mich eine willkommene Gelegenheit, bei diesem Symposium viele Mitbrüder aus der Provinz EOF kennen zu lernen und dadurch ein umfassenderes Bild der Provinz zu bekommen.

Allein in Paris leben und arbeiten ca. 250 Jesuiten (die Jesuitenscholastiker aus anderen Provinzen mit eingerechnet), das ist fast die Hälfte der Jesuiten der gesamten neuen Provinz EOF. Das Gros der Werke der Gesellschaft befindet sich in Paris, der zentralistischen Struktur Frankreichs entsprechend (11 von 67 Mio Franzosen leben in Paris und Umgebung). Obwohl ich längst noch nicht alle Jesuiten in Paris kenne, war das Symposium optimal um mit den Jesuiten außerhalb von Paris Bekanntschaft zu machen.

Besonders geschätzt habe ich die mitbrüderliche, herzliche Atmosphäre in einem einfachen, gastfreundlich Rahmen, in einem spirituellen Zentrum mitten in der Natur mit Blick auf Lyon. Dass es kein Feuerwerk zu Silvester gab (in Frankreich sind Feuerwerke fast ausschließlich am 14 Juli üblich), war somit verkraftbar.

Während der zweieinhalb Tage war auch Zeit fürs Feiern und für Workshops zum Thema Berufung. So haben wir z. B. in einer Gruppe von zehn Jesuiten versucht, eine Hörspiel-Einheit für „Pray as you go“ (eine Smartphone-App für junge Leute, die täglich beten wollen) zu entwerfen. Wir waren eine bunte Gruppe von Jesuiten unterschiedlicher Generationen und Talente. Nach einem eher persönlichen Austausch über einen Text von Papst Franziskus zur Präsenz der Kirche unter jungen Menschen stand das rechte Verhältnis von Musik, Stille, Schriftlesung und Gebet im Zentrum unserer Diskussion. Am Ende hatten wir so etwas wie ein Rohkonzept für eine Einheit der Gebets-App.

Es war aber auch genug Zeit zum Entspannen und einfach dafür, als Brüder zusammen zu leben. Um die Animation kümmerte sich das Team der Berufungspastoral („Service Jésuite des Vocations“), das Programm war ansprechend und ausgewogen gestaltet. Wir hörten einige gute Vorträge zum Thema Berufungen, darunter einer von Benoît de Maintenant, Studentenseelsorger und selbst Student am Centre Sèvres.

Benoît kennt die Anliegen und Situationen junger Menschen aus seinem Alltag. Er versuchte, aus der Perspektive eines jungen Menschen zu denken und sprach auch skeptische und nachdenkliche Aspekte an. Sein Vortrag zeuge von Einfühlungsvermögen und ehrlichem Interesse für die Situationen junger Menschen von heute. Das fand ich besonders aufschlussreich und hilfreich im Blick auf das Thema. Mir persönlich hat das mehr zum Verständnis der Welt der Jugendlichen geholfen als beängstigende Statistiken zur Abwesenheit der Jugendlichen in unseren Kirchen. Es geht darum, so Benoît, mit jungen Menschen mitzugehen, sie zu begleiten auf ihrem nicht immer einfachen Weg, der sie zu Soldaten macht, maßgeschneidert und perfekt im Kampf um den ersten Platz, im Kampf um gute Noten, die die Hoffnungen der Eltern erfüllen. Vielen fehlt das Bewusstsein darum, dass sie geliebt sind, so wie sie sind und dass sie ernst genommen werden. Sie wissen sich vielmehr fern der Welt der Erwachsenen, die genau wissen, was ihre Berufung ist, worin ihre Arbeit besteht und welche Lebensform sie gewählt haben.

Den Silvesterabend in der Gemeinschaft von 50 Mitbrüdern, die nach dem Symposium den Jahresabschluss im „Châtelard“ gemeinsam verbringen wollten, habe ich in guter Erinnerung. Ein angeleiteter Jahresrückblick mit Austausch in kleinen Gruppen und ein langes, freies Fürbittgebet, das wir im leichten Nieselregen rund um ein Lagefeuer versammelt sprachen, waren besonders bewegend.

Frater Sebastian Ortner SJ studiert seit letztem Herbst Theologie am Centre Sèvres, der Theologisch-Philosophischen Fakultät der Jesuiten in Paris.