Das Symposium der Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu (3. bis 6. April 2018) stand unter dem Motto „Zentraleuropa – Unsere Sendung als Jesuiten“. Während die letzten Mitbrüder am Dienstagnachmittag im Kardinal König Haus eintrudelten, saßen andere bereits gemütlich bei einer Tasse Kaffee im warmen Sonnenschein und unterhielten sich angeregt miteinander. Nach der offiziellen Begrüßung durch P. Robert Deinhammer informierten P. Provinzial Bernhard Bürgler und P. Christian Marte über den aktuellen Stand des Zugehens auf die Provinz ECE (Eastern and Central Europe). Danach tauschten wir uns in Kleingruppen darüber aus und gaben im Plenum eine Zusammenfassung unserer Anfragen und Wünsche. Zu 48 Mitbrüdern der Österreichischen Provinz (selbst unsere beiden Novizen waren mit dabei!) gesellten sich – vorausweisend auf die zukünftige Provinz ECE – drei aus der Deutschen Provinz (GER) sowie sechs studierende Jesuiten aus verschiedenen anderen Provinzen, die mit den Mitbrüdern aus Innsbruck angereist waren. Diese brachten durch ihre Erfahrungen in ihren Heimatprovinzen, die zum Teil bereits Vereinigungsprozesse hinter sich haben (ANW, ESP, KAR, ACE, AOR sowie MDU) ergänzende Perspektiven mit ein.

Der Vortrag des Gesandten Dr. phil. Johannes Wimmer über „Gesellschaftliche Entwicklungen, historische Sensibilitäten, politische Herausforderungen im jesuitischen Zentraleuropa“ machte uns am Mittwoch deutlich, dass das politische Geschehen von Ländern wie Litauen, Lettland, der Schweiz und Ungarn in den österreichischen Medien viel weniger präsent ist als jenes in Deutschland. Im „Café der Zukunft“ reflektierten wir abermals in Kleingruppen über die möglichen apostolischen Prioritäten der neuen Provinz ECE.

Das Gouté am Mittwochabend beinhaltete unter anderem tiefschürfende Gedanken von Gerhard Polt, eine verwechslungsreiche Kometengeschichte von Otto Schenk, die amüsantesten Tischgespräche der Kommunität Wien Lainz als auch eine Werbeeinschaltung des Krumpendorf‘schen Strandbaddirektors, der höchst persönlich durch den Abend moderierte und uns einen Einblick in seine zunehmende Bekanntschaft mit den Besonderheiten der Wiener Sprache erlaubte, die für ihn manchmal „zan krenreibn“ sind. Der von Benjamin Furthner extra aus diesem Anlass neu gegründete jesuitische „Kombi-Chor“ ergänzte die Beiträge musikalisch.

Ein Höhepunkt war der Ausflug nach Ungarn am Donnerstag. Da unsere beiden Provinzen ASR und HUN zur gleichen Zeit ihr Symposium begingen, waren fast alle Mitbrüder der beiden Provinzen bei diesem Treffen anwesend. Zu Beginn stellten jeweils der ungarische als auch der österreichische Provinzial, unterstützt von anderen Mitbrüdern, ihre Provinzen vor. P. Provinzial Bernhard Bürgler und P. Christian Marte erlaubten sich, ihre Präsentation durch das Austeilen von Mozartkugeln zu versüßen. Nach dem etwa 10-minütigen Sprachkurs, den uns Gernot Wisser während der Busfahrt nach Györ gab, versuchten einige von uns mit Redewendungen wie „Jó napot!“ (Guten Tag! ) und „Hogy vagy?“ („Wie geht´s?“) zum ersten Mal auf Ungarisch in ein Gespräch mit einem ungarischen Mitbruder einzusteigen. Nach dem köstlichen Mittagessen, bei dem wir „Österreicher“ gemischt je neben einem „Ungarn“ saßen – auf den Tischen fanden sich Tischkärtchen mit der ungarische Flagge neben denen österreichischer Flagge – und bei dem weder „bor“ (Wein) noch „sör“ (Bier) fehlten, ging es weiter mit einer Führung durch den Dom von Györ, in dem Bischof Vilmos Apor in einem repräsentativen Marmorgrab bestattet ist. Dessen Bedeutung für die Bevölkerung von Györ und Ungarns war vielen von uns vorher nicht so bewusst. Ein Informationsblatt über den Märtyrerbischof, das wir ebenso während der Busfahrt studiert hatten, stimmte uns aber auf die Ausführungen durch den Domprobst ein. Dieser war kurzfristig für den Bischof von Györ und Vorsitzenden der Ungarischen Bischofskonferenz, Veres András, eingesprungen, der uns ursprünglich ans Grab von Bischof Apor begleiten wollte. Nach einem Gebet legte P. Provinzial einen Blumenkranz am Grab des seligen Bischofs nieder. Mit einer Eucharistiefeier in der ehemaligen Jesuitenkirche Györs beendeten wir gemeinsam diesen besonderen „Ungarntag“.

Am Freitagvormittag verkündete uns P. Provinzial nach dem „Status der Provinz ASR“ einige neue Destinationen, was teilweise mit einem beeindruckten Raunen („Oohh“) in den Reihen einherging. Er bedankte sich bei den Mitbrüder, die eine neue Destination erhalten hatten, für ihre Bereitschaft und Verfügbarkeit sowie bei Gernot Wisser, Thomas Neulinger, Robert Deinhammer, Christian Marte und Klaus Schweiggl für die Vorbereitung des Symposiums. Bei der Auswertung kamen überwiegend positive Rückmeldungen zur Gestaltung und zum Thema des Symposiums zur Sprache.

Im Anschluss an das Provinzsymposium trafen sich zum ersten Mal alle „Vortertiarier“ von Freitagnachmittag bis Samstagmittag. P. Provinzial war mit dabei. Ein gemeinsamer Spaziergang im Lainzer Tiergarten sowie ein intensiver Austausch standen im Mittelpunkt dieses erstmaligen Treffens, das zu einer stärkeren Bindung unter den jüngeren Mitbrüdern und – v. a. für jene, die im Ausland studieren und arbeiten – an die Heimatprovinz beitragen möchte.

Sebastian Ortner SJ

Frater Sebastian Ortner SJ studiert seit letztem Herbst Theologie am Centre Sèvres, der Theologisch-Philosophischen Fakultät der Jesuiten in Paris.