Am 22. Juni 2018 sind fünfzig Jahre seit der Weihe der Konzilsgedächtniskirche in Wien 13 vergangen. Der Tiroler Architekt Josef Lackner hat den Bau entworfen. Am Anfang war die Architektur wohl für manche, die traditionelle Kirchen gewohnt sind, eine Herausforderung. Doch im Lauf der Zeit hat sich gezeigt: Diese Kirche ist ein Wurf, etwas Großartiges ist hier gelungen. Ihr Raum hat durch all die Jahre nichts von seiner Frische und Kraft verloren.

Die quadratische Konzilsgedächtniskirche ist von den Ecken aus zu betreten. Es gibt keinen Haupteingang, kein dominierendes Kirchenschiff. Diese Architektur verweigert sich dem, was im 20. Jahrhundert so beliebt war: dem mächtigen Anspruch einer Aufmarschstraße. Sie sammelt vielmehr von allen vier Seiten, aus allen Himmelsgegenden sammelt sie zu einer Mitte hin und verdichtet das Gesammelte. Im Zentrum steht der mächtige Stein des Altars, kein Mensch. Kinder lieben diesen Ort, wenn sie unter dem Altar Zuflucht suchen. Was hier stattfindet, ist gemeinsames Tun, Singen, Beten, Reden, Hören, Loben, Preisen, Klagen, Fragen, Suchen.

Das eintönige Grau des Betons ist vielgestaltig, keine der Wellen der gegossenen Leichtbetonblöcke gleicht einer anderen. Hier ist unmittelbar zu erfahren, was wir im Pfarrgemeinderat als  Motto des 50-Jahr-Jubiläums der Konzilsgedächtniskirche gewählt haben: Beton in Bewegung. Das Starre, scheinbar Unwandelbare bricht auf, Neues wird möglich, Neues kommt zum Vorschein. Gegenseitig bewahren wir uns davor zu meinen, schon fertig zu sein mit dem Leben, dem Glauben, der Welt, der Kirche. Im Grunde genommen ist die Konzilsgedächtniskirche ein Bau des Anfangs. Denn diesen nackten Wänden, diesen weißen Flächen ist nichts mehr zu nehmen. Wie ein Rohbau steht sie da. Dieser Bau sagt uns: Ihr seid nicht zuhause in dieser Welt, nur vorübergehend ist der Aufenthalt, Geborgenheit gibt es letztlich nur in der Zuwendung zueinander und zu Gott, ihr könnt einen Ort der Ankunft schaffen, der zugleich immer der Ort eures Aufbruchs ist. Das ist kein bürgerliches Programm. Es ist aber uns Glaubenden angemessen.

Gustav Schörghofer SJ

Download des gesamten Festprogramms

Pater Gustav Schörghofer SJ studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Salzburg. Er ist Künstlerseelsorger und Vorsitzender der Jury des Msgr. Otto Mauer-Preises und setzt verschiedene Projekte mit Künstlerinnen und Künstlern in der Jesuitenkirche Wien 1, der Zacherlfabrik, dem JesuitenFoyer und der Konzilsgedächtniskirche in Lainz um, wo er seit 2013 als Pfarrer tätig ist.

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