Aus der Geschichte der Jesuitenkirche in Wien sind beide nicht wegzudenken: der langjährige Kirchenrektor P. Leo Wallner SJ und die Chorvereinigung St. Augustin. Vor fünf Jahren, am 7. Juni 2013, ist P. Wallner im Alter von 82 Jahren gestorben. Und vor 25 Jahren hat sich die Chorvereinigung St. Augustin als Verein konstituiert. P. Friedrich Sperringer SJ, jetziger Kirchenrektor an der Jesuitenkirche, fasst P. Wallners Lebenswerk zusammen.

Nach der Ausbildung im Orden und der Priesterweihe kam P. Leo Wallner 1966 zum ersten Mal nach Wien 1, um hier für zwei Jahre die Studentenseelsorge an der Alten Burse zu übernehmen. In dieser Zeit begann er auch, für den ORF zu arbeiten und die „Ökumenische Morgenfeier“ zu gestalten. P. Wallner machte sich bald sowohl in der Ökumenischen Bewegung als auch in der Medienwelt einen Namen – nicht nur durch regelmäßige Rundfunksendungen, sondern auch durch Artikel, Vorträge und mit seinen Predigten, über die nach den Gottesdiensten rege diskutiert wurde.

Bei den Ökumenischen Morgenfeiern kam es oft zur Zusammenarbeit mit dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Staikos und auch mit Vertretern des Judentums. Beides war P. Wallner ein großes Anliegen, wie auch die Rolle der Frau in der Kirche und der Blick auf die Jugend. Ebenso war ihm die Arbeit mit der Bibel wichtig. In diesem Zusammenhang unternahm er mit seiner Bibelgruppe zahlreiche Studienreisen in die Länder der Heiligen Schrift und die damals noch kaum bekannten Länder Osteuropas, die lange durch den Eisernen Vorhang nicht erreichbar waren und auch kirchlich kaum Kontakt mit dem Westen hatten.

Von 1981 bis 1998 war P. Wallner Rektor der Jesuitenkirche, die damals allgemein nur „Universitätskirche“ oder „UK“ genannt wurde. In diese Zeit fiel eine umfangreiche Kirchensanierung (1986 bis 1998). Dabei ging es P. Wallner nicht nur um eine gründliche Innen- und Außensanierung der Kirche, sondern um eine Gesamtlösung und Revitalisierung des gesamten Komplexes der Alten Universität mit ihrem schönen Innenhof und den zahlreichen denkwürdigen und kostbar dekorierten Räumen wie dem Theatersaal oder dem Refektor.

Vor allem aber ist es ihm zu verdanken, dass die Chorvereinigung St. Augustin bei uns Heimat fand und hier bis heute wirkt. Ein kongenialer Partner dabei war das Chormitglied Sektionschef Dr. Otto Grumbeck, der sich erfolgreich um Sponsoren bemühte und im Ministerium, in dessen Verwaltung der Komplex und Kirche an der Alten Universität fielen, geduldig für entsprechende Unterstützung warb. Er und P. Wallner setzten sich auch für eine neue Orgel ein, die schließlich gebaut, finanziert und eingeweiht werden konnte und seither zu den interessantesten und bekanntesten Orgeln Wiens gehört.

Die letzten 15 Jahre seines Lebens verbrachte P. Wallner als Pfarrer in Lainz und anschließend als Hausgeistlicher bei den Barmherzigen Schwestern. Er hatte schon länger mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen, als er sich nach einem unglücklichen Sturz nicht mehr erholte und und am 7. Juni 2013 verstarb. Nach einem feierlichen Requiem in „seiner“ Universitätskirche fand er in unserer Krypta seine letzte Ruhestätte.

Am 10. Juni bringt der Chorverein die Messa di Gloria von Giacomo Puccini. Dies ist auch die Festmesse zum Gedenken an P. Leo Wallner SJ und zur Jubiläumsfeier „Fünfundzwanzig Jahre Chorvereinigung St. Augustin“. Anschließend laden wir zur Agape für alle Mitfeiernden in der Alten Burse.

P. Friedrich Sperringer SJ

P. Friedrich Sperringer SJ wurde 1944 in Wien geboren und war als Kind und Jugendlicher in Wiener Pfarren heimisch. 1965 trat er in den Orden ein. Von 1981 bis 1997 war Pater Sperringer zuerst Kaplan und dann Pfarrer in der Wiener Pfarre Lainz-Speising. Danach war er 16 Jahre als Provinzökonom tätig und seit 2013 ist er Rektor der Jesuitenkirche in Wien.