Auf den roten und gelben Bussen mit dem offenen Dach, die im Sommer neugierige Touristen über die Ringstraße zu den Sehenswürdigkeiten kutschieren, steht groß: Hop on – hop off: Man kann jederzeit ein- und aussteigen und sich so sein individuelles Sightseeing-Programm zusammenstellen.

Autonome Gestaltung der kostbaren Sommer- und Urlaubstage ist ein großes Wunschziel der meisten Menschen, die sich während des Arbeitsjahres verplant und oft ausgenützt fühlen.

Im Sommer ganz ich selber sein – ob am Meer faulenzen oder in einer faszinierenden Stadt auf Kulturprogramm machen, ob einen Gipfel besteigen oder daheim im Schrebergarten die bunte Natur gestalten können: hop on hop off ist in…

Freilich sind Kollisionen vorprogrammiert. Der Partner erträumt sich einen ganz anderen Urlaub; den Kindern fällt jeden Tag etwas Neues ein, was meine Sommerpläne durcheinander bringt.

Auch der Sommer von Priestern und Ordensleuten ist nicht ganz leicht aufeinander abzustimmen …

Was könnte Gott von mir im Sommer erwarten? Was wüscht ER mir, damit mein Sommer gelingen kann? Ich vermute dreierlei:

Natürlich soll die Urlaubszeit zur Erholung und Entspannung dienen. Eine gute Abstimmung mit Anderen und der Mut zum Loslassen sind Voraussetzungen dafür. Nicht zu viel hineinpacken!

Zweitens die Chance auf Neues: Zeit für Begegnungen, Entdeckungen, Staunen und Mich-Einlassen: auf Natur und Kultur, auf Länder und Menschen.

Und schließlich: Raum und Zeit für IHN: Gottesbegegnungen sind möglich, wo ich Punkt eins und zwei beachte. Beten und Betrachten: mein Sommer gibt mir die Gelegenheit dazu.

„Hop on – hop off“: ein- und aussteigen, wie es mir passt – aber auch verweilen – bei den andern, bei mir selber und immer wieder bei meinem Schöpfer und Herrn.

Friedrich Sperringer SJ

Dieser Artikel ist das Editorial der aktuellen Ausgabe von “Kirchen im Zentrum” und wurde mit freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt.

Pater Friedrich Sperringer wurde 1944 in Wien geboren und war als Kind und Jugendlicher in Wiener Pfarren heimisch.  1965 trat er in den Orden ein. Es folgten drei Jahre Praktikum als Erzieher, Studien in Philosophie in München und Theologie in Innsbruck, 1974 Priesterweihe und vier Jahre als Erzieher am Kollegium Kalksburg. Von 1981 bis 1997 war Pater Sperringer zuerst Kaplan und dann Pfarrer in der Wiener Pfarre Lainz-Speising. Danach war er 16 Jahre als Provinzökonom tätig und seit 2013 ist er Rektor der Jesuitenkirche in Wien.