Die weltweite Gesellschaft Jesu feiert an jedem 31. Juli das Fest des Heiligen Ignatius. Warum gerade an diesem Tag? Es ist sein Todestag. Im Sommer 1556 wurde sein Gesundheitszustand schlechter. Sein Arzt aber meinte, dass er den Sommer sicher noch überstehen werde. Ignatius jedoch glaubte, dass sein Ende nahe war. Am Nachmittag des 30. Juli bat er Polanco, seinen Sekretär, zum Papst zu gehen und um den Segen zu bitten, denn sein Tod stünde kurz bevor. Polanco glaubte der Aussage des Arztes mehr und sagte zu Ignatius, er würde den Papst morgen um den Segen bitten, denn heute habe er noch viele Briefe zu schreiben und zu verschicken. Ignatius sagte, dass ihm der Segen noch heute lieber wäre, aber er bestand nicht darauf. Kurz nach Mitternacht verschlechterte sich sein Zustand. Polanco lief in den Vatikan, um den päpstlichen Segen zu bekommen, aber es war schon zu spät. Ignatius starb.

Was feiern wir an diesem Tag? Nicht so sehr sein Sterben, vielmehr den Heimgang eines Menschen, dem die Kirche viel verdankt.

Ich weiß nicht, welches Bild sie von Ignatius haben, wer er für Sie ist: der Offizier, der Büßer, der Pilger, der Ordensgründer, der … Was er jedenfalls auch ist, vielleicht sogar vor allem, jedenfalls für mich, und was man leicht übersieht – er ist ein Mensch, der „ganz Liebe scheint“, wie einer seiner Gefährten einmal schrieb. Das war er aber beileibe nicht von Anfang an. Er ist es geworden. Auf seinem Weg war für ihn vieles wichtig, ganz besonders seine Erfahrung, dass Gott uns Menschen zuerst geliebt hat und liebt und erst dann wir lieben können – uns selbst, andere, ihn.

Sie kennen vielleicht die „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“. Sie steht am Ende der Exerzitien und ist so etwas wie das Herzstück ignatianischer Spiritualität. Ignatius möchte, dass wir all der Gaben, die wir von Gott empfangen haben, empfangen und empfangen werden, und die Ausdruck seiner Liebe zu uns sind, gewahr werden. Uns bewusst werden, immer umfassender und tiefer, dass wir unser Leben empfangen, ständig, dass wir durchströmt werden von Gottes Liebe. Das ermöglicht unsere Antwort: liebevolle Ehrfurcht.

Ignatius ist einen Weg gegangen, er hat sich wandeln lassen, er ist – allmählich – in die Liebe und in das Lieben hineingewachsen, er ist ein Mensch geworden, der ganz Liebe scheint.

Das Gewicht der Seele, es ist die Liebe, schreibt Ignatius einmal. Zuzunehmen an diesem Gewicht, wer wünscht sich das nicht?!

Bernhard Bürgler SJ, Provinzial der österreichischen Jesuiten

 

In Dankbarkeit für jede Form der Verbundenheit und Freundschaft, der Unterstützung und Zusammenarbeit laden wir herzlich zum Ignatiusfest ein:

 

31. Juli, 19.00 Uhr, Festmesse in der Leechkirche
Zinzendorfgasse 3, 8010 Graz
31. Juli, 19.00 Uhr, Festmesse in der Jesuitenkirche
Karl-Rahner-Platz 2, 6020 Innsbruck
31. Juli, 9.00 Uhr, Festmesse in der Ignatiuskirche
Alter Dom, Domgasse 3, 4020 Linz
31. Juli, 18.30 Uhr, Festmesse in der Konzilsgedächtniskirche
Kardinal-König-Platz 3, 1130 Wien

P. Bernhard Bürgler SJ stammt aus Lienz in Osttirol. Er ist ein Experte in den Bereichen Spiritualität, Exerzitien, Meditation und Psychoanalyse. Seit 2014 ist Pater Bürgler der Provinzobere der österreichischen Jesuiten.