Wien – Papst Franziskus hat die inhaltliche Ausrichtung des Jesuitenordens offiziell bestätigt und bekräftigt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Ordens haben alle Mitglieder weltweit mitdiskutiert, was die Gesellschaft Jesu in den nächsten zehn Jahren für die Kirche und die Gesellschaft bewirken will. Herausgekommen sind vier Schwerpunkte, nach denen sich die Arbeit des Ordens ausrichten soll. Nachdem Papst Franziskus diesen Schwerpunkten seine Zustimmung gegeben hat, veröffentlichte sie der Generalobere Pater Arturo Sosa SJ am Dienstag in einem Schreiben an den ganzen Orden und die Mitarbeiter.

“Vielen Dank für diese Arbeit, die ich approbiere und als Auftrag bestätige”, heißt es in dem Bestätigungsschreiben von Papst Franziskus. “Der Prozess, den die Gesellschaft unternommen hat, um zu universellen apostolischen Präferenzen für die kommenden Jahre zu gelangen, war ein Weg, das heißt, die Auswahl der verschiedenen apostolischen Möglichkeiten hat sie in Bewegung gesetzt. Das tröstet mich, es war eine dynamische Unterscheidung, keine Bibliothek oder Labor, was auch keine echte Unterscheidung gewesen wäre.” Die vier Präferenzen stünden im Einklang mit den gegenwärtigen apostolischen Prioritäten der Kirche, die durch das ordentliche Lehramt des Papstes, die Synoden und Bischofskonferenzen, insbesondere durch das apostolische Schreiben Evangelii Gaudium zum Ausdruck kommen, so der Papst.

Während früher die Päpste dem Orden – aufgrund der besonderen Verbindung zwischen den Jesuiten und dem Papst – besondere Aufträge erteilt haben, sind die neuen Schwerpunkte auf einem gemeinsamen Weg entschieden worden. Die vier neuen Schwerpunkte wurden in einem längeren Prozess im gesamten Orden weltweit diskutiert und daraufhin dem Papst vorgelegt. Sie setzen die Richtung des Ordens fort, den dieser seit den letzten Generalkongregationen gegangen ist und formulieren nun diese Ausrichtung in wenigen kurzen Sätzen:

1. Ein Weg zu Gott: Durch ignatianische Unterscheidung und Exerzitien Gott finden helfen.

2. An der Seite der Benachteiligten: Auf dem Weg mit den Armen, den Ausgestoßenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten für Versöhnung und Gerechtigkeit eintreten.

3. Mit jungen Menschen: Jugendliche und junge Erwachsene bei der Gestaltung einer hoffnungsvollen Zukunft begleiten.

4. Für die Schöpfung: In der Sorge für das Gemeinsame Haus zusammenarbeiten.

Für den Generaloberen Pater Arturo Sosa sind die weltweiten apostolischen Präferenzen der beste Weg, wie der Orden, mit dem was er sei und habe, der Kirche heute dienen könne. “Wir haben dies als Sendung von der Kirche durch den Heiligen Vater, Papst Franziskus, erhalten, der die Präferenzen genehmigt und die durch den apostolischen Leib geschehene Unterscheidung in Gemeinschaft bestätigt hat. Uns als Leib, der dem Heiligen Geist gehorcht, kommt es nun zu, die Umsetzung in allen Dimensionen unserer Sendung bzw. unseres Lebens zu planen.” Alle Kräfte des Ordens würden nun dafür in den nächsten zehn Jahren 2019-2029 gebündelt.

Für die Österreichische Provinz erklärte Pater Provinzial Bernhard Bürgler SJ: “Ich bin dankbar, dass die neuen Präferenzen nun vorliegen. Sie betreffen wichtige Bereiche, große Nöte unserer Zeit und Welt. Nun gilt es, sie uns für unser Überlegen und Entscheiden anzueignen. Ein erster Schritt wird sein, unsere Tätigkeiten vor diesem Hintergrund anzuschauen. Stimmt die Richtung, in der wir als Jesuiten in Österreich unterwegs sind? Sind wir dort, wo wir sein sollen? Das sind Fragen, denen wir uns nun stellen müssen.”

Die neuen Schwerpunkte werden auf einer eigenen Website https://jesuits.global/en vorgestellt (Englisch / Spanisch / Französisch / Italienisch).