An den Rand gehen ist eine Aufforderung. Kirche vom Rand zur Mitte hin zu verstehen und als Gemeinde Christi danach zu handeln ist eine Herausforderung. Zu beidem ermutigt uns Papst Franziskus unermüdlich. Und beides gehört für uns ChristInnen zusammen, bedingt sich wechselseitig. An den Rand gehen heißt dabei nicht zuletzt, die Grenze der eigenen Lebenswelt zu überschreiten, um in andere Lebenswelten einzutreten und die dort lebenden Menschen kennen, verstehen und lieben zu lernen. Die Tradition unseres Ordens kennt dafür Lernorte und Zeiten, „Experimente“ und „Nebenexperimente“. Es sind Praktika – so könnte man übersetzen – während der Zeit der Ausbildung, aber auch später Tätigkeiten neben der Hauptaufgabe, die einem Jesuiten anvertraut ist. Beide dienen nicht primär der Erweiterung fachlicher Kompetenzen. Denn Ignatius geht es nicht primär um eine soziale Erfahrung, sondern um eine affektive. Es geht um Herzensbildung. Ihr Ziel ist in einer an Jesus gerichtete Gebetsbitte auf den Punkt gebracht: „Bilde unser Herz nach deinem Herzen!“

Vier Mitbrüder berichten in diesem Heft von ihren Erfahrungen an unterschiedlichen Rändern des Lebens und der Gesellschaft. Sie erzählen von Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Und sie sprechen sehr persönlich davon, wie sich durch diese Begegnungen ihre Sicht auf das eigene Leben verändert hat und wie sie dabei oftmals zu Beschenkten wurden.

Die neue Ausgabe von JESUITEN können Sie hier online nachlesen.

Maximilian Heine-Geldern SJ
Klaus M. Schweiggl SJ (Schriftleiter)