Im Prunksaal der Nationalbibliothek ist unter dem Titel „Das besondere Objekt: Ein Jesuit am Marterpfahl“ eine historische Landkarte über die Jesuitenmission im 17. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Kanada ausgestellt.

Von dieser Karte sind heute weltweit nur noch zwei komplette Exemplare vorhanden, je eine in Wien und Paris. Wertvoll sei das historische Dokument vor allem wegen seiner naturalistischen Darstellungen der indigenen Bevölkerung und der eingefügten Bild der Jesuiten am Marterpfahl, erläuterte Elisabeth Zeilinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, gegenüber Kathpress.

Die Karte sei einer der ersten „authentischen Berichte über die Lebensart der Indigenen und die Missionsarbeit der Jesuiten“, so die Historikerin. Die beiden Jesuiten am Marterpfahl – Johannes de Brebeuf und Gabriel Lalemant – stehen für den Untergang der Missionsarbeit der Jesuiten im Huronengebiet. Beide wurden bei einem Überfall des Stammes der Irokesen auf die Missionsstation St. Ignace gefoltert und getötet.

„Bemerkenswert wirklichkeitsnah“

Bemerkenswert sei vor allem die Darstellung der Krieger, erklärte Zeillinger: „Die Irokesen sind trotz der brutalen Szenen weder rassistisch oder wild überzeichnet, sondern wirklichkeitsnah wiedergegeben.“ Der Jesuit und Verfasser der Karte – Francesco Giuseppe Bressani – zeige sie als „Edle Wilde“, so die Historikerin, die am 26. Juni einen Expertenvortrag mit Besichtigung des Originals im Prunksaal der Nationalbibliothek anbietet.

Brebeuf und Lalemant werden bis heute zusammen mit anderen französischen Priestern und Jesuiten, die als Missionare in Kanada starben, als Märtyrer verehrt. Nach ihnen sind Straßen und Plätze benannt, so Zeillinger. Beide wurden 1930 heiliggesprochen.

Brebeuf, der wegen seines großen Sprachtalents zu den Huronen, dem verfeindenden Stamm der Irokesen, geschickt wurde, erlangte vor allem für das Übersetzen von Bibeltexten und für das Verfassen eines Wörterbuchs, einer Grammatik und eines Katechismus in der Sprache der Huronen Bekanntheit.

Missionstätigkeit ab 1624

Hintergrund der Karte, die noch bis bis 28. Juli zu sehen ist, ist die Missionstätigkeit der Jesuiten in Kanada ab 1624. In einem jährlichen Bericht mussten die Missionare Rechenschaft über Erfolge ablegen. Diese in den „Relations des Jesuits“ veröffentlichten Berichte enthalten Informationen über Kanada und seine indigenen Bewohner.

Der Jesuit Bressani verfasste eine Abhandlung über die Tätigkeit seines Ordens in Nova Francia, der er auch eine Karte beigab. Die Karte „Novae Franciae accurata Delineatio“ von 1657 zeigt das von den Franzosen als Kolonie beanspruchte Gebiet von den Großen Seen bis zur Mündung des St. Lorenz-Stromes und die amerikanische Ostküste zwischen der Chesapeake Bay und Neufundland.

Im März 1649 wurden die beiden Missionsstationen der Jesuiten Saint Igance und Sint Louis von über tausend Irokesen angegriffen und zerstört. Grund waren kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Stämmen der Irokesen und Huronen, die im Pelzhandel der Europäer und im Streit um die besten Jagdgebiete ihren Ursprung hatten.

gril, religion.ORF.at/KAP

Ausstellungshinweis

Das besondere Objekt: Ein Jesuit am Marterpfahl. Präsentation am Mittwoch, 26. Juni 2019, 18.00 Uhr in der ÖNB, Vortragende: Elisabeth Zeilinger. Eintritt frei, Anmeldung unbedingt erforderlich

Das besondere Objekt ist bis 28. Juli 2019 im Prunksaal zu sehen.