Trotz ihres hohen Alters ist die Bibel das meist publizierte und meist gelesene Buch aller Zeiten. Was macht ihre Faszination aus und was ist ihre Bedeutung heute? Im Sommer 2019 finden ungewöhnlich viele und wichtige Konferenzen zur wissenschaftlichen Erforschung der Bibel statt. In der ersten Juliwoche versammelten sich 800 Bibelwissenschaftler für das International Meeting der Society of Biblical Literature in Rom, wobei 580 Vorträge zu den jüngsten Entdeckungen der Bibelwissenschaft gehalten wurden. Das Päpstlichen Bibelinstitut und die Päpstliche Universität Gregoriana präsentierten als Gastgeber ihre Arbeit mit derzeit über 500 Studierenden in bibelwissenschaftlichen Spezialstudien aus aller Welt. Kardinal Staatssekretär Pietro Parolin vermittelte den Gruß und Segen von Papst Franziskus: „Die Geschichte und Identität Roms sind wesentlich von der Bibel geprägt, deren Worte seit zwei Jahrtausenden in den Synagogen und Kirchen der Stadt vorgetragen und gesungen werden. Heute erfreuen wir uns des Geistes der Zusammenarbeit und des Dialogs, der jüdische und christliche Wissenschaftler zur Erforschung der unerschöpflichen Schätze des offenbarten Gotteswortes zusammengeführt hat.“ Papst Franziskus sehe in der Konferenz ein lebendiges Zeichen dieser Zusammenarbeit und hoffe, dass die Konferenz neben historischem Wissen auch die biblische Botschaft von Weisheit, Versöhnung und Erlösung ans Licht bringe. Das Päpstliche Institut Santa Maria dell’Anima unter der Leitung von Rektor Franz Xaver Brandmayr lud die Konferenzteilnehmer zu einem Konzert zu biblischen Themen ein.

In der dritten Juliwoche fand die erste Konferenz lateinamerikanischer Bibelwissenschaftler in Buenos Aires mit über 400 Teilnehmern statt. Ziel der Konferenz ist, lateinamerikanische Leseweisen der Bibel mit der internationalen Forschung in Dialog zu bringen. Der österreichische Jesuit Dominik Markl hielt als Vertreter des Päpstlichen Bibelinstituts einen Vortrag zu neuen Zugängen zum Buch Exodus und einen Kurs zum Buch Deuteronomium.

https://www.congresobiblico2019.org/

Das Treffen der International Society for the Study of the Old Testament findet in der ersten Augustwoche in Aberdeen (Schottland) statt, in der zweiten Augustwoche tagt die European Association of Biblical Studies in Warschau.

Die Erforschung der biblischen Schriften erfordert die Verbindung von historischer Forschung, Literaturwissenschaft, Archäologie und der Wissenschaften der antiken Kulturen des Vorderen Orients. In jüngerer Zeit wächst zudem das Interesse für die enorme Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der Bibel, die Zusammenarbeit mit den Kulturwissenschaften weltweit ermöglicht. Das Päpstliche Bibelinstitut ist seit 1909 die größte und bedeutendste Institution der römisch-katholischen Kirche zur Erforschung der Bibel und ihrer Welt sowie zur Ausbildung von römisch-katholischer Bibelwissenschaftler in aller Welt.

P. Dominik Markl SJ ist außerordentlicher Professor für alttestamentliche Bibelwissenschaft am Päpstlichen Bibelinstitut und Herausgeber für den Bereich Altes Testament von Biblica.