In diesem Jahr feiern wir Jesuiten in Linz den 350. Jahrestag der Grundsteinlegung der Ignatiuskirche. Besser bekannt ist die Kirche unter dem in Linz weit gebräuchlicheren Namen „Alter Dom“.

Jubiläen geben Anlass, um in die Vergangenheit zurückzublicken, sie haben aber auch mit der Gegenwart zu tun. Gegenwart braucht Vergangenheit. Menschen und Institutionen haben eine Geschichte, deren Kenntnis Voraussetzung ist, um sich selber einschätzen zu können. Wer seine Vergangenheit nicht kennt, ist wurzellos, dem wankelmütigen Zeitgeist ausgeliefert. Damit es nicht soweit kommt, ist es gut, zuweilen Rückschau zu halten, sich bewusst zu machen, was uns aus der Geschichte zugewachsen ist.

Im Jahre 1600 kamen über Anordnung Kaiser Rudolfs II. (1552–1612) die ersten Jesuiten nach Linz. Die meisten Bewohner von Linz und Oberösterreich waren in dieser Zeit dem Protestantismus zugetan. Der Kaiser versprach sich von den Jesuiten eine Unterstützung der Katholischen Reform. Durch Seelsorge, Predigt und Unterricht sollte der katholische Glaube wieder an Wertschätzung gewinnen.

Den Jesuiten wurde zuerst die Betreuung der heute nicht mehr existierenden Dreifaltigkeitskapelle in der Hahnengasse übertragen, zwei Jahre später die leer stehende Minoritenkirche. Gleichzeitig gründete man eine Lateinschule mit anfangs nur zehn Schülern. Doch bald stieg die Zahl auf hundert an. So musste ein größeres Haus gesucht werden. Mit dem Bau des Kollegs wurde 1652 begonnen. Fünf Jahre später konnte das neue Gebäude (heute: Kunstuniversität, Domgasse 1) bezogen und der Unterrichtsbetrieb begonnen werden.

Am 31. Juli 1669 wurde neben dem Jesuitenkolleg von Propst David Fuhrmann (1621-1689) von St. Florian, einem großen Wohltäter der Jesuiten, der Grundstein der Ignatiuskirche gelegt. Fuhrmann stiftete in der Kirche auch das Kommuniongitter aus wertvollem Marmor, wofür ihm vom Ordensgeneral der Jesuiten die „communicatio meritorum Societatis“ (Teilhabe an den Verdiensten der Gesellschaft Jesu) erteilt wurde. Die Kirchweihe des noch nicht vollendeten Gotteshauses fand am 4. September 1678 statt und wurde vom damaligen Fürstbischof von Passau, Sebastian Graf von Pötting (1628-1689), vorgenommen. Der Hochalter wurde zu Neujahr 1683 fertiggestellt. Das erste Hl. Messopfer feierte wiederum der Propst von St. Florian.

Sich der eigenen Geschichte bewusst zu sein schafft Identität. Man weiß um das Herkommen, was wichtig gewesen ist, und was auch weiterhin gepflegt werden soll. Die Jesuiten haben im 17. Jahrhundert einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung des Glaubens in unserem Land geleistet. Unterstützt und gefördert wurden sie dabei in vielfacher Weise von lokalen Instanzen und Befürwortern der katholischen Reform. Im Laufe der Zeit haben sich die Schwerpunkte der Seelsorge freilich gewandet. Doch jede Zeit hat ihre eigenen Chancen, die es wahrzunehmen gilt.

Am 31. Juli 2019, um 9.00 Uhr, feiern wir in der Ignatiuskirche/Alter Dom das Ignatiusfest. Zelebrant und Festprediger wird ein Nachfolger von David Fuhrmann sein: Der gegenwärtige Propst von St. Florian und Generalabt der Augustiner Chorherren, Johannes Holzinger CanReg. So zeigt sich, dass die Gegenwart dankbar auf die Vergangenheit bezogen bleibt.

Peter Gangl SJ

Autor:
Peter Gangl SJ – geb. 1967 in Salzburg

„Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen” (2 Kor 5,20) – 1994 habe ich auf meine Einladung zur Priesterweihe dieses Pauluswort geschrieben. Es bringt zum Ausdruck, wie ich meinen Dienst als Priester verstehe: Mithelfen bei der Versöhnung, die Jesus Christus gewirkt hat. Mitarbeiten am Werk der Versöhnung konnte ich als Kaplan in Linz und – nach dem Eintritt in den Jesuitenorden 1996 – in der Priesterausbildung als Studienpräfekt, Subregens und Vizerektor im Collegium Canisianum in Innsbruck und als Spiritual in Brixen, Innsbruck und Wien. Seit 2015 bin ich Kirchenrektor im Alten Dom und Superior der Jesuitenkommunität in Linz.