Am 31. Juli feiert der Jesuitenorden den Gedenktag seines Gründers, des Heiligen Ignatius von Loyola. Er hat von 1491 bis 1556 gelebt. Wiederholt betont Ignatius in seinen Überlegungen zu einem geistlichen Leben von Menschen ein „magis“, ein „jeweils mehr“. Dem jeweils größeren Einsatz für Gott durch ein Mehr“ in der Nachfolge Christi galt seine Aufmerksamkeit. Sein ganzes Leben war eine pilgernde Suche nach diesem „Mehr“, nach der immer größeren Ehre Gottes, dem immer umfassenderen Dienst am Nächsten, dem allgemeineren Wohl, nach den wirksameren Mitteln und Wegen, um dieses Ziel zu erreichen. Dieses Anliegen durchdrang die ersten Gefährten und prägt die gesamte apostolische Arbeit der Jesuiten bis heute. Die konkrete Antwort auf Gottes Ruf sollte „von größerem Wert und größerer Bedeutung“ sein.

Sprachlich macht Ignatius diesen Wunsch durch die häufige Verwendung des Komparativs und des Wortes „mehr“ in seinen Schriften deutlich. Im Exerzitienbuch lädt er ein um innere Erkenntnis des Herrn zu bitten, „der für mich Mensch geworden ist, damit ich mehr ihn liebe und ihm nachfolge“. In den Satzungen des Ordens spricht Ignatius von „größerer Demut und Vollkommenheit“, von „mehr Liebe und Vertrauen“, vom „größeren Dienst und Lobpreis für Gott unseren Herrn“. Unter den vielen Kennzeichen ignatianischer Spiritualität ist das „magis“ nicht einfach eines unter anderen – es durchdringt sie alle. Ignatius hat den Wunsch, Gott immer näher zu kommen, immer mehr sein Leben dem Willen Gottes entsprechend zu führen. Das Motto der Gesellschaft Jesu bringt diese Einstellung für den Jesuitenorden auf den Punkt: „Alles zur größeren Ehre Gottes – Omnia ad maiorem Dei gloriam“. Dieses Motto ist jedoch nicht nur unserem Orden vorbehalten, sondern gilt allen Menschen in der Nachfolge Jesu.

Ignatius lädt ein ständig die Frage zu stellen, wie das eine oder andere besser werden kann. Diese Fragestellung soll nicht einschüchtern sondern inspirieren. Sie ist mit einem unruhigen Streben verbunden, immer besser zu werden, größere Projekte zu verwirklichen, sich ehrgeizigere Ziele zu setzen. Das „magis“ ist der Ursprung einer immer neuen Dynamik, immer neuen Aufbruchs und neuer Unternehmungen. Es genügt nicht, wenn die Dinge ‚nur‘ gut sind.

Mit der ständigen Suche nach dem „Mehr“ kann auch eine Gefahr der Überforderung und eines falschen Leistungsdenkens eng verbunden sein. Immer mehr zu arbeiten, immer mehr Stunden dem Dienst an Gott und den Menschen zu widmen, ohne die eigenen Grenzen zu beachten – dies wäre ein falsches Verständnis des hl. Ignatius, das nicht dem ignatianischen „magis“ entspricht. Es geht dabei mehr um Qualität, nicht um Quantität. Es geht nicht um Leistung, wir müssen nichts quantitativ Großes vollbringen, das unsere Kräfte übersteigt. Es geht auch nicht um einen fertigen Zustand, sondern um einen andauernden Prozess, um unsere wiederholte, freie und entschiedene Antwort auf den Ruf Gottes. Wir sind dabei herausgefordert, all unsere Fähigkeiten und unser ganzes Wollen immer mehr in dieser Beziehung mit Gott und mit den Menschen zu integrieren und zum Ausdruck zu bringen.

Das Ziel ist eine immer intensivere Gottesbeziehung, eine Nachfolge Jesu, die uns hilft, ihm immer ähnlicher zu werden und eine immer tiefere Liebe zu den Nächsten. Diese „Liebe ist mehr in die Werke zu legen als in die Worte“, dazu lädt uns Ignatius ein.

Friedrich Prassl SJ

Autor:
Friedrich Prassl SJ – geb. 1964 in Bad Radkersburg

Pater Prassl arbeitete als Touristikkaufmann in Lausanne, Zürich und Toronto, bevor er 1992 in das Priesterseminar in Graz und 1995 in das Noviziat der Jesuiten in Innsbruck eintrat. Nach seinen philosophischen und theologischen Studien empfing Pater Prassl 2002 in Innsbruck die Priesterweihe. Es folgten eine mehrjährige Tätigkeit als Subregens, Studienpräfekt und Ökonom im Collegium Canisianum und ein Spezialstudium in Spiritualität in Rom. Von 2010 bis 2017 leitete er das Internationale Theologische Kolleg Canisianum in Innsbruck. Seit 2018 ist Pater Prassl Direktor des Kardinal König Hauses in Wien.