Ende Juli waren P. Bernhard Bürgler SJ, Provinzial der österreichischen Jesuiten und Katrin Morales, Geschäftsführerin der Jesuitenmission in Österreich in Uganda unterwegs und haben in den Städten Adjumani und Kampala Projekte des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) besucht.

In Adjumani, im Norden Ugandas, sind die Flüchtlinge nicht in Lagern, sondern in „Settlements“ untergebracht, was bedeutet, dass sie in einem bestimmten Gebiet Land zum Leben und Bebauen zur Verfügung gestellt bekommen.

Es beeindruckt uns, wie Flüchtlingsgemeinschaften und lokale Gemeinden zusammenarbeiten. Beide sehen die dringende Notwendigkeit, Schulen für ihre Kinder zu haben. Meist wird das Grundstück für den Schulbau von lokalen Familien oder Dorfgemeinschaften zur Verfügung gestellt. Durchaus auch mit der langfristigen Perspektive, dass die Flüchtlinge vielleicht in einigen Jahren wieder gehen, die Schule aber bleibt. Der JRS ist hier unterstützend und begleitend tätig und baut als Partner des UNHCR auch Schulgebäude. Außerdem wird ein Teil der Lehrergehälter bezahlt. Für den Rest muss die Schulgemeinschaft selbst aufkommen. „Das ist unsere Schule, die Schule der Gemeinschaft“, sagt uns Schulleiter Mathew. Genau die Förderung dieser Eigenverantwortung ist dem JRS sehr wichtig.

Einige dieser Schulen dürfen wir besuchen. Klassengröße ca. 100 SchülerInnen. In den höheren Klassen sinkt der Frauenanteil deutlich. Internate für die Mädchen wäre eine Lösung. Die Schulwege sind oft weit und gefährlich für sie, und sobald sie zu Hause sind, wird meist erwartet, dass sie ihre Rolle als Frau, Hausfrau und große Schwester leben. Für das Lernen und die Schule bleibt da wenig Zeit und Energie. Platz für Unterkünfte ist auf dem Schulgelände vorhanden, es fehlt das Geld für den Bau.

Die Flüchtlinge kommen vor allem aus dem Sudan/Südsudan, der demokratischen Republik Kongo, Ruanda, Burundi und Somalia. Viele von ihnen sprechen nicht oder kaum englisch. Hier setzt der JRS in Kampala an. Sprache und Ausbildung sind lebensnotwendig für gelungene Integration. Wer beim JRS in Kampala ankommt, hat erstmal die Möglichkeit, seine Geschichte zu erzählen. Auch wir durften an einem sehr dichten Nachmittag mit einzelnen Flüchtlingen Gespräche führen. Kaum eines der Gespräche lief ohne Tränen ab. Beeindruckend und bewegend, was Menschen erleben müssen und doch überleben können. Schon ein einzelnes der vielen Erlebnisse wäre genug, um daran zu zerbrechen, denken wir. Neben der Ersthilfe mit Lebensmitteln und Unterkunft, ist die psychosoziale Begleitung ein sehr wichtiger Arbeitsbereich. Über die traumatischen Erfahrungen will gesprochen werden, das merken wir. Hier kompetente Gesprächspartner und Unterstützung zu bieten, ist wesentlich für die Verarbeitung und ein positives Weiterleben. Wichtig ist P. Frido Pflüger SJ, dem Leiter des JRS Uganda auch, dass in allen Arbeitsbereichen die Dimension von Religion und Glaube Platz hat. Für die geflüchteten Menschen, die fast alle religiöse Menschen sind, ist das ein wesentlicher Punkt, sich beim JRS auch angenommen zu fühlen.

Und während die Eltern Gespräche führen, Englisch lernen oder eine Berufsausbildung machen, werden ihre Kinder im JRS eigenen Kindergarten betreut. Mit einem fröhlichen „Good morning our dear visitors!“ werden wir begeistert von den 5-jährigen begrüßt. Mit höchster Konzentration malen oder schreiben sie englische Worte in ihre Hefte.

Wir sprechen mit einer jungen Kongolesin, die gerade den Catering-Kurs macht. „Das nächste Mal lade ich euch dann in meinem Hotel zum Essen ein“, sagt sie selbstbewusst. Illusion natürlich? Vielleicht doch nicht so ganz? Beim Mittagessen in einem Hotel in Kampala treffen wir zwei Absolventen des Kurses. Beide haben nach einem Praktikum dort eine feste Anstellung bekommen. Nicht als Hotelleiter, aber immerhin als Koch.

Fast 50 Leute umfasst das Team des JRS in Uganda, AfrikanerInnen und EuropäerInnen, Jesuiten und Nicht-Jesuiten, Menschen mit und ohne Fluchthintergrund. Motiviert, engagiert und kompetent helfen sie geflüchteten Menschen, guten Grund für ihre Zukunft zu legen.

Bernhard Bürgler SJ
Katrin Morales

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Pater Bernhard Bürgler stammt aus Lienz in Osttirol. Er ist ein Experte in den Bereichen Spiritualität, Exerzitien, Meditation und Psychoanalyse. Seit 2014 ist Pater Bürgler der Provinzobere der österreichischen Jesuiten.

Mag. Katrin Morales ist Geschäftsführerin der Jesuitenmission in Österreich. Die österreichische Jesuitenmission steht im weltweiten Dienst für die Armen. Die Frohbotschaft Jesu Christi für die Armen, sein heilendes und befreiendes Handeln, seine Verkündigung des Reiches Gottes, sein Leiden, Sterben und Auferstehen inspirieren unseren Dienst.