Die Jesuiten sind seit 1632 in Steyr aktiv; bis 1773 in der heutigen Vorstadtpfarre St. Michael, seit 1865 an der Marienkirche (ehemalige Dominikanerkirche).

Nachdem die reiche und wirtschaftlich sehr bedeutende Eisenstadt Steyr, die seit dem 16. Jahrhundert als Bollwerk des Luthertums galt, 1621 nur mehr 16 Katholiken zählte und sich hernach die Lage im Land ob der Enns zugunsten der Katholiken drehte, verfügte Kaiser Ferdinand II. 1630 im Sinne der durchzuführenden Rekatholisierung die Ansiedlung der Jesuiten in Steyr, was am 3. November 1632 mit der Gründung einer Residenz und der Aufnahme des Unterrichts Realität wurde. Zunächst bekam man in Steyrdorf die Spitalskirche für die Gottesdienste als auch umliegend 11 Häuser zugewiesen, die dann zum Teil der 1635-1677 errichteten Jesuitenkirche St. Michael und dem ostseitig anschließenden dreiflügeligen Kollegsbau (1657-1667) weichen mussten. Die 1634 in den Rang eines Kollegs erhobene Residenz bildete somit nach Linz und Traunkirchen die dritte Niederlassung der Jesuiten in Oberösterreich. Den Jesuiten oblag neben der Führung des Gymnasialbetriebes die Obsorge der marianischen Kongregationen, dreier Bürgerspitäler bzw. Armenhäuser sowie die Seelsorge dortselbst als auch im Umland. Dem Kolleg in Steyr waren die landwirtschaftlichen Güter in Schlüsselhof, Taschlried und Ennsegg angeschlossen. Infolge von Hochwässern, Pestepidemien und kriegsbedingten Einquartierungen gerieten die Jesuiten in Steyr oft in existenzielle Notlagen, die mithilfe der Unterstützung der umliegenden Stifte behoben werden konnten. Im Zuge des Verbotes des Jesuitenordens (1773) wurde auch das Kolleg in Steyr aufgelöst.

Nach der Wiederherstellung der Gesellschaft Jesu (1814) gab es zahlreiche erfolglose Versuche, eine Niederlassung der Jesuiten in Steyr wieder zu gründen. Mittlerweile wirkten die Jesuiten im Raum Steyr im Zuge von Volksmissionen, ehe 1865 P. Alois Mathoy SJ, Superior der im ehem. Stift Baumgartenberg unzulänglich untergebrachten Volksmissionäre, das bischöfliche Ordinariat in Linz von der Notwendigkeit eines Missionshauses in Steyr überzeugen konnte. Nach Zustimmung des Dekanats und des Gemeinderates von Steyr übernahmen die Jesuiten am 26. April 1865 die ehemalige Dominikanerkirche zur Benützung, die unter der Bevölkerung vielmehr kurz Marienkirche genannt wird.

Von 1865 bis 1911 war nun das Volksmissionshaus der österreichischen Jesuitenprovinz in Steyr angesiedelt; von hier aus wurden die Volksmissionen in sämtlichen Erbländern der österreichischen Monarchie beschickt. Zwei Jesuiten blieben ständig in Steyr an der Marienkirche, um die örtliche Seelsorge zu bedienen. Als größtes Problem erwies sich die räumliche Beengung, da man nun nur eine Kirche ohne Haus besaß, denn der benachbarte Dominikanerkonvent stand nicht zur Verfügung, da der Privatbesitzer als erklärter Jesuitengegner nicht zum Verkauf bereit war. Bis zu 18 Patres waren dem Volksmissionshaus in Steyr zugeschrieben. Diese mussten sich die Zimmer teilen bzw. wechselweise benützen. Bis 1911 zählte man 2.476 Missionen, das ergibt rund 55 Missionen pro Jahr. 1879 wurde von der Residenz Steyr aus im niederösterreichischen Wallfahrtsort Maria Taferl eine Statio mit vier Patres gegründet (bestand bis 1894).

1910 wurde die Volkmission in der österreichischen Jesuitenprovinz neu strukturiert, sodass die Volksmissionäre nach Linz am Alten Dom, wo die Jesuiten seit 1909 wieder eine Residenz führten, übersiedelten. Es verblieben nun vier Patres und ein Laienbruder an der Residenz in Steyr, die die Anforderungen der örtlichen Seelsorge zu erfüllen hatten: Beichtstuhl und Predigt, Jugend und Kongregationsarbeit, Krankenseelsorge, Einkehrtage und Beichtwochen in der Umgebung. Dies war jedoch in einem sozial explosiven Umfeld zu leisten, galt doch Steyr in der Zwischenkriegszeit infolge des Zusammenbruches der Waffen- und Automobilindustrie und der Weltwirtschaftskrise als ärmste Stadt Europas. Das nationalsozialistische Regime (1938-45) brachte für die Jesuiten in Steyr eine Situation zwischen Duldung und Illegalität: Wohl konnte man der Beschlagnahme der Residenz entgehen; man war jedoch nicht vor Repressalien wie Verhaftungen, Gauverweise und Hausdurchsuchungen gefeit. Die Jugendarbeit bzw. die Führung der MK-Gruppen wurde an die Pfarren verlagert bzw. unter dem Deckmantel des Ministrantenunterrichts fortgeführt. P. Josef Meindl SJ nahm als Kaplan der Vorstadtpfarre St. Michael in den neu entstandenen Arbeitersiedlungen in Münichholz geheime Taufen vor und feierte geheime Gottesdienste. Diese Aktivitäten stellten die Keimzelle für die später neu errichtete Pfarre Steyr-Münichholz dar.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestand die hauptsächliche Arbeit in der Leitung und Betreuung Marianischer Kongregationen. Vor allem P. Karl Schwarz SJ und P. Kuno Zerlauth SJ brachten mittels zahlreicher Ferienlager und Studententheateraufführungen die Jugendarbeit zu einer letzten Blüte. Bereits zu Beginn der 60er Jahre war die personelle Situation in der österreichischen Jesuitenprovinz so angespannt, dass die Auflassung der Residenz der Jesuiten in Steyr vorgesehen war. Massiver Widerstand seitens der Steyrer Bevölkerung und des Landes Oberösterreich konnten dies abwenden – die Marienkirche blieb weiterhin Mittelpunkt des religiösen Lebens in Steyr und Beichtkirche für Klerus und Volk (50.000 Beichten im Jahr).

Mit der Aufgabe der Jugendarbeit 1971 zählte die Kommunität der Jesuiten in Steyr – die hinkünftig als Statio der Jesuitenkommunität am Alten Dom in Linz angehörte – zumeist drei bis vier Patres, die fünf Gottesdienste mit Predigt am Sonntag bei einem Messbesuch von rund 1.000 Gläubigen sowie vier tägliche Werktagesmessen zu bewältigen hatten. Hinzu kamen Kurse, Einkehrtage, Vorträge und Aushilfen in der Umgebung sowie die spezielle Form der Gefangenenseelsorge in der Strafanstalt Garsten, die von P. Emil Kettner SJ, P. Kuno Zerlauth und P. Hans Grasböck SJ wahrgenommen wurde. Nicht unerwähnt bleiben darf das Angebot der Beichtseelsorge in der Marienkirche, das bis zuletzt regen Zuspruch fand. 1974 konnte die Diözese Linz endlich den ehem. Dominikanerkonvent ankaufen; im Zuge der vorgenommenen Umbauten konnten die Jesuiten 1975 zeitgemäß sanierte Zimmer inkl. eingebauten Toilettenanlagen beziehen. Anlässlich des 1.000-jährigen Jubiläums wurde 1978 die Marienkirche innen und außen renoviert.

Mit P. Paul Mühlberger SJ, P. Erich Drögsler SJ und P. Erich Pilz SJ bildete sich 2009 ein „Triumvirat“, das nun die knapp zehn letzten Jahre in Steyr wirken konnte: Drei Sonntagsgottesdienste, tägliche Werktagesmesse und Beichtangebot, kulturell-religiöses Programm, Glaubensgespräche und eine ganztägige eucharistische Anbetung wurden geboten. Nach dem tödlichen wie tragischen Autounfall von P. Paul Mühlberger SJ am 18. Dezember 2018 sah sich die österreichische Jesuitenprovinz außer Stande, diese Stelle nachzubesetzen, sodass nun die Präsenz der Jesuiten an der Marienkirche 2019 ein Ende findet. Am 18. September verabschieden sich die Jesuiten in Form eines festlichen Gottesdienstes mit P. Provinzial Dr. Bernhard Bürgler SJ und Bischof Dr. Manfred Scheuer von der Steyrer Bevölkerung und von dem zum Teil von auswärts kommenden Kirchenpublikum.

Mag. Wilhelm Remes, Kollegium Aloisianum, Linz