Wien/München – Pater Norbert Baumert, emeritierter Professor für Neutestamentliche Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt/Main, ist am Montag in Wien in einem Pflegeheim verstorben. Sein Leben lang hat er die Paulus-Briefe neu übersetzt und die Theologie des Völkerapostels für eine breite Öffentlichkeit ausgelegt. Außerdem war er engagiert in der Ökumene.

Norbert Baumert wurde am 24. Juli 1932 in der Ortschaft Pieńsk in der Nähe von Görlitz an der Lausitzer Neiße geboren, das seit 1945 eine geteilte Stadt war. Er wuchs aber im Westen auf und trat am 21. April 1952 auf dem Jakobsberg ins Noviziat der Gesellschaft Jesu ein.

Nach den ordensüblichen Studien in Pullach und Frankfurt wurde er in Berlin am 27. August 1961 in St. Matthias von Julius Döpfner zum Priester geweiht. Er war als Kaplan in St. Canisius sowie in der Aktion 365 tätig und unterrichtete als Religionslehrer am Canisius-Kolleg sowie an der Liebfrauenschule. Kurzzeitig übernahm er 1975–1977 übergangsweise das Amt des Vizerektors des Canisius-Kollegs.

1972 wurde er an der Freien Universität Berlin mit einer philologischen Arbeit über Paulus promoviert (1973 erschienen: „Täglich sterben und auferstehen“). 1982 wurde er zum Dozenten, 1985 zum ordentlichen Professor für neutestamentliche Exegese in Sankt Georgen ernannt.

Die deutlich philologisch akzentuierte Beschäftigung mit der paulinischen Theologie hat sein Leben geprägt. In zahlreichen Veröffentlichungen hat er zu einer neuen Sichtweise der paulinischen Texte insbesondere über die Ehe und die Stellung der Frau sowie über das Verhältnis von Amt und Charisma beigetragen. Darüber hinaus war er viele Jahre sehr aktiv in der Charismatischen Gemeinde-Erneuerung engagiert.

Nach seiner Emeritierung 2000 zog er 2006 nach Wien, wo er an der Vollendung seines Lebenswerkes arbeitete. In der Reihe „Paulus neu gelesen“ (Echter) legte er zusammen mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Mag. Maria-Irma Seewann sowie dem „Frankfurter Pauluskreis“, dem von ihm initiierten und geleiteten Schülerkreis, seine veränderte Sicht der Paulusbriefe in einer Gesamtschau vor. Wegen wachsender Beschwerden infolge einer fortschreitenden Parkinson-Krankheit zog er 2018 in ein Pflegeheim um, wo er am 16. September friedlich eingeschlafen ist.

Das Requiem wird am Montag, 30. September 2019, um 11 Uhr in der Jesuitenkirche, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1, 1010 Wien, gefeiert. Anschließend wird P. Baumert in der Krypta der Kirche beigesetzt.