Die Jesuiten-/Universitätskirche Innsbruck hat zwei neue Kirchenglocken. Am Sonntag, den 13. Oktober 2019, wurden sie vom Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler auf dem Vorplatz der Jesuitenkirche geweiht. Anschließend feierte der Bischof mit der Gemeinde einen Festgottesdienst anlässlich des 350-Jahr-Jubiläums der Universität Innsbruck. Diese ist 1669 aus dem Jesuitengymnasium hervorgegangen.

Als die Jesuitenkirche in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, reichte am Ende das Geld nicht mehr, um die beiden Fassadentürme fertigzustellen. Die Kirchenglocken wurden in einem hölzernen Glockenturm aufgehängt. Dabei handelte es sich um zwei Glocken aus der Vorgängerkirche und zwei Glocken, die eigens für die neue Kirche gegossen worden waren. Dieses Provisorium blieb für zweieinhalb Jahrhunderte bestehen. Erst im Jahr 1901 konnten die beiden Fassadentürme der Kirche dank großzügiger Spender vollendet werden. In diesem Zusammenhang wurden drei Glocken in die Innsbrucker Spitalskirche übertragen. Nur die alte Silberglocke aus dem Jahr 1579 blieb in der Jesuiten-/Universitätskirche. Außerdem wurden in Trient sieben neue Glocken für die Kirche gegossen, darunter auch eine mächtige Dreifaltigkeits-Glocke mit einem Gewicht von fast zehn Tonnen. Für wenige Jahre hatte die Jesuitenkirche damit das größte Kirchengeläute der gesamten Monarchie. 1916 musste der Großteil der Glocken für den Krieg abgegeben werden. Zurück blieb erneut nur die Silber-Glocke. Erst 1959 bekam die Kirche wieder eine zweite Glocke: die sogenannte Schützen-Glocke. Sie ist mit 9,5 Tonnen bis heute die größte Glocke in einem Tiroler Kirchturm.

Dass die Kirche jetzt wieder eine dritte und vierte Glocke bekommt, geht auf eine Anregung des Mesners Toni Gantschnig zurück, die DDr. Herwig van Staa als Vorsitzender der Landesgedächtnisstiftung aufgegriffen hat. Am 12. Juli 2019 wurden von der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck die Märtyrer- und die Maria-Magdalena-Glocke für die Jesuiten-/Universitätskirche gegossen. Die Märtyrer-Glocke (1.092 kg) ist „allen Zeuginnen und Zeugen für Wahrheit und Gerechtigkeit“ gewidmet. Namentlich werden auf der Glocke sieben Märtyrer aus unterschiedlichen Ländern genannt, die an der Universität Innsbruck studiert haben. Gestaltet wurde die Glocke vom Osttiroler Künstler Peter Raneburger. Die zweite Glocke (618 kg) ist der ersten Zeugin der Auferstehung gewidmet: Maria Magdalena. P. Christian Marte SJ, Rektor der Kirche, meinte zu dieser Entscheidung: „Damit wird die außergewöhnliche Bedeutung von Maria Magdalena gewürdigt. Die neue Glocke soll auch daran erinnern, dass es weitere Schritte braucht, um die Frage der Ämter in der Kirche besser zu regeln – und zwar insbesondere im Blick auf die Einbindung von Frauen in Leitungsverantwortung.“ Die Innsbrucker Künstlerin Nora Schöpfer hat die Motive dieser Glocke gestaltet.

Am Tag nach der Weihe wurden die beiden neuen Glocken in den Westturm gehoben und dort an zwei restaurierten Jochen aufgehängt. Zusammen mit der Silber-Glocke erklingt in Zukunft das sogenannte Gloria-Motiv es-f-as. Zum ersten Mal wird man diesen Klang am 3. November 2019 hören können, wenn die Glocken kurz vor 11 Uhr zum Gottesdienst mit P. Provinzial Bernhard Bürgler SJ läuten werden. Zu den Feierlichkeiten sind alle herzlich eingeladen!

Alle Fotos: © Reinhold Sigl