Seit 2018 organisieren die Jesuiten in Österreich Tage der Achtsamkeit über ganz Österreich verteilt. Vom 24. bis 25. Oktober waren sie zu Gast in der Schule Aloisianum in Linz. Susanne Huber ist Lehrerin am Aloisianum und berichtet über zwei Tage Achtsamkeit wahr werden und leben lassen.

Was braucht es für ein gutes, ein gelungenes Leben? Was bedeutet Achtsamkeit in diesem Zusammenhang und wie kann ich mich in der Kunst eines achtsamen Umgangs mit mir selbst und anderen üben? Welche Antworten finden jesuitisch geprägte Gemeinschaften hier? Diese und viele weitere Fragen wurden bei den „Tagen der Achtsamkeit“ am Kollegium Aloisianum erläutert.

Unsere Schule durfte am 24. und 25. Oktober 2019 zum Ort der Begegnung mit jesuitisch-ignatianischen Vertreterinnen und Vertretern aus der Schweiz, Deutschland, Ungarn und natürlich Österreich werden. Die Veranstaltungsreihe „Tage der Achtsamkeit“ wurde 2018 von den Jesuiten ins Leben gerufen und damals in Lienz abgehalten. Nun erlebte sie in unserer Linzer Schule unter Federführung von Pater Johannes Herz und eines kleinen Teams aus der Lehrerschaft sowie mit großer Unterstützung von Seiten der Direktion, der Kollegenschaft und natürlich der Schülerinnen und Schüler ihre Fortsetzung.

Bereits am 24. Oktober trafen die Gäste am Freinberg ein, um bei Unterrichtsbesuchen einen ersten Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern herzustellen und ins Gespräch zu kommen.

Am Abend fand die Veranstaltung ihren ersten Höhepunkt mit dem Vortrag „Achtsam leben“ in der Reihe des „Forum Aloisianum“ von Pater Niklaus Brantschen aus der Schweiz, einem Jesuiten und Zen-Meister. Im neuen, gut besuchten Festsaal legte Pater Brantschen in einem 40-minütigen Vortrag auf wunderbar weise, kluge und humorvolle Art seine acht zentralen Überlegungen zum Thema „Achtsamkeit“ dar.

Der Grundstein für mehr Achtsamkeit im Leben, so Branschen, liege in einem aufmerksamen Umgang mit sich selbst, mit dem Gegenüber und der Anerkennung, dass das Leben vieles, aber nicht alles sei und sein könne. Dass man immer nur im Jetzt leben und atmen könne. Dass es eine Stille hinter der Stille gebe, die darauf warte, von den Mutigen entdeckt zu werden. Dass wir nicht vorschnell über Glück und Unglück urteilen sollten, sondern versuchen auch glücklich zu sein, wenn wir uns vielleicht gerade glücklos wähnen. Dass Humor den nötigen Abstand bringe, um eine Lage beurteilen zu können. Und dass Humor eine ernste Sache sei, eben viel mehr als nur oberflächlicher Spaß oder vordergründige Unterhaltung. Aber auch, dass es ohne Disziplin und Konzentration im Leben nicht gehe.

Seine Ausführungen waren voller anschaulicher Beispiele, Zitate und Geschichten, die er anmutig und voll Esprit erzählte. Einem Gedankenaustausch mit dem Publikum folgte eine ungezwungene Gesprächsrunde an den Stehtischen, bevor der Abend seinen Ausklang fand.

Am 25. Oktober stand die gesamte Schule dann unter dem Zeichen der Achtsamkeit. Die Schulgemeinschaft begann den Tag in der Froschbergkirche mit einem kurzen gemeinsamen Gottesdienst als Einstimmung auf den Tag. Dann wurden die Schülerinnen und Schüler nach einem ausgeklügelten Plan in Gruppen geteilt und konnten in Vorträgen und Workshops verschiedenen Facetten achtsamen Lebens in jesuitisch-ignatianischer Prägung erleben, welche von Ideen zu mehr ignatianischer Pädagogik in der Schule, über einen Theaterworkshop bis hin zur Arbeit jesuitischer Gemeinschaften mit starkem Fokus auf den Dienst am Mitmenschen reichte. Die Schülerinnen und Schüler waren mit viel Interesse beim Diskutieren, Singen, Musizieren und Performen dabei. Den Abschluss bildete eine Zusammenkunft und kurze Achtsamkeitsmeditation aller Beteiligten im erneuerten Turnsaal.

Susanne Huber