Zur Vorbereitung auf Ostern sollte P. Josef Maureder SJ im Rahmen der Reihe “Lehre uns beten” eine geistliche und theologische Einführung in das Sakrament der Versöhnung gegeben. Für jetzt durfte Veronica Ilse vom “Zentrum der Orden für Begegnung und Berufung- Quo Vadis?” ihn fragen, welche Bedeutung und Praxis das Sakrament der Versöhnung in der Corona-Zeit haben kann.

Das Ausräumen, was die Liebe stört

Da es im Glaubensleben immer um das Wachsen in der Gottesbeziehung geht und darum, liebesfähiger auf andere hin zu werden, ist es jederzeit gut, das ausräumen zu lassen, was diese Beziehungen und Liebe stört. Darum sind Umkehr, Versöhnung und Neuwerden so wichtig für die Fastenzeit.

Die Corona-Krise erinnert uns daran, dass wir trotz Wissenschaft und vieler medizinischer Errungenschaften das Leben nicht in der Hand haben. Unsere Endlichkeit wird uns neu bewusst. Das kann uns auch wacher machen für jene Aspekte unseres Lebens, die für uns wirklich bedeutsam sind und vor Gott ewiges Gewicht haben.

Das Corona-Virus ist auch eine Chance, das persönliche (und hoffentlich auch gesellschaftliche) Leben zu befragen, zu verändern, zu erneuern. Auch deshalb darf in dieser kritischen Zeit dem Thema Umkehr, Beichte und Neubeginn besondere Bedeutung zukommen.

 

Vor Ostern Versöhnung feiern ohne den Empfang des Bußsakraments

Es gibt doch ganz verschiedene Weisen, Gottes Erbarmen zu erbitten und die Verzeihung der Sünden zu erlangen! So etwa, wenn wir im persönlichen Gebet Gott um Verzeihung und Erneuerung bitten. Bei einer tiefgreifenden Reue (früher sagte man eine „vollkommene Reue“) dürfen wir unmittelbar mit der Vergebung der Sünden rechnen. Eine ganz persönliche Versöhnungs-Feier könnte jede*r für sich in dieser Corona-Zeit vor Ostern noch gestalten. Dabei empfehle ich Elemente wie die Erzählung vom Barmherzigen Vater, der dem Sünder entgegenläuft und vor Freude ein großes Fest feiert, von der Ehebrecherin, die von Jesus nicht verurteilt wird, oder von Zachäus, der wieder gemeinschaftsfähig wird.

Diese Begebenheiten aus dem Leben Jesu helfen, um die Barmherzigkeit Gottes zu erahnen. Wer gerne mit einem Psalm betet, kann dies mit Psalm 51 und am Ende der Feier mit Psalm 103 tun, in dem die Freude über die Vergebung Gottes zum Ausdruck kommt. Immer rate ich bei einer Feier der Versöhnung, zuerst dem Herrn zu sagen, wofür ich im Blick auf die letzte Zeit besonders dankbar bin. Dann erst bitte ich um Vergebung meiner Sünden und um seine Hilfe, wo auch immer ich sie besonders nötig habe. Was wäre das für eine wunderbare – stimmige und gültige! – Feier der Versöhnung mit Gott, mit anderen und mit sich selbst! Und wenn die Ausnahmesituation wieder vorbei ist, dann kann man später ausdrücklich zur Beichte gehen, so wie wir es sonst gewohnt sind. Vielleicht noch ein anderer Akzent: Versöhnung mit Gott und sich selbst wird sehr konkret in der Versöhnung mit anderen. Dazu gibt es derzeit mehr Zeit und Gelegenheit als sonst: Daheim im „engeren Raum“, per Telefon oder auch im Kontakt über elektronische Medien. Danke sagen, um Vergebung bitten, neu anfangen, Liebe leben, warum nicht? Das Leben wird erfüllter und die konkrete Liebe deckt viele Sünden zu.

 

Warum es nicht möglich ist, das Sakrament online zu spenden

Zu jedem Sakrament gehört auch das äußere Zeichen, also nicht nur der innere Vollzug. Hier ist die Begegnung mit einem Du wichtig. Im Beichtsakrament ist dies der Priester. Vergeben kann ich mir nicht selber, das muss mir zugesagt werden. Auch ist der Priester – hoffentlich als Bruder und nicht als Richter – stellvertretend da für die ganze christliche Gemeinde. Versöhnung mit Gott ist zugleich Versöhnung mit anderen. All das wird zeichenhaft gelebt im Vollzug der Beichte.

Sicher ist „Begegnung“ über elektronische Medien, also am Telefon oder virtuell, etwas anderes als im „realen Raum“. Aber ich wage zu fragen: Ist ein ehrliches und offenes Bekenntnis und Gespräch am Telefon oder über Skype weniger zeichenhaft als in einem dunklen Beichtstuhl, wo sich die beichtende Person und der Priester nicht einmal gut hören, geschweige denn sehen können?

Sicher braucht es auch den Schutz des Beichtgeheimnisses, der aber an manchen Orten (ich denke an Beichten in Italien oder Spanien) auch im Beichtstuhl oder Beichtzimmer kaum gegeben ist, wenn die nächste Person schon in der Nähe Platz genommen hat. Hier dürfen wir beweglich sein und der Gnade Gottes viele Türen öffnen. Wenn jemand anruft und es einen berechtigten Grund dafür gibt, würde nicht auch Jesus dieser Person die Vergebung zusagen?

 

Es muss Ausnahmen von der Regel geben

Wer bin ich, dass ich als Jünger Jesu diesen tiefen Wunsch nach Versöhnung verweigern sollte? Es muss Ausnahmen von der Regel geben dürfen und die gibt es auch. Aber nochmals: Versöhnung feiern kann ich besonders jetzt in dieser Krise auch auf eine andere Weise. Und wenn dann noch ein offenes Gespräch mit einem geistlichen Menschen geführt wird, über welche Kanäle auch immer, dann ist es eine wunderbare Vorbereitung auf das Osterfest!

Quelle: Quo vadis? 

Autor
P. Josef Maureder SJ

Geboren 1961 in Niederwaldkirchen, OÖ; Gymnasium am Petrinum in Linz; Glaubensgruppenführer; Freude an Natur, Literatur und Fußball.1979 Eintritt in den Jesuitenorden (Nürnberg), 1988 Priesterweihe (Wien). Studium von Philosophie (München), Theologie (Frankfurt) und Psychologie (Rom). Ausbildung in geistlicher Begleitung und Exerzitienbegleitung. Von 1996-2006 Begleitung junger Erwachsener als Verantwortlicher für die Berufungspastoral der österreichischen Jesuiten im Haus Manresa in Linz. Von 2007-2015 Novizenmeister der Jesuiten für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit 2015 Leiter des Bereichs Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus in Wien. Psychotherapeut für Existenzanalyse und Logotherapie, Begleiter von Exerzitien und Ausbildungskursen. Referent. Veröffentlichungen über Entscheidungsprozesse und menschliche Reife.