Aleppo, 25.04.2020 (KAP) – Ein vom Krieg zerstörtes Land im Lockdown-Modus, Menschen ohne Einkommen und eingestellte Hilfeleistungen: Mit diesen drastischen Worten hat der Flüchtlingsdienst der Jesuiten in Syrien (JRS) die aktuellen Herausforderungen im Bürgerkriegsland beschrieben. Die Corona-Pandemie treffe das Land in dieser Situation besonders hart, so der Jesuit und JRS-Landesdirektor Goncalo C. Fonseca in einer Aussendung am Samstag. Seit 15. März befindet sich Syrien im sogenannten “Lockdown”: Schulen und Universitäten sind geschlossen, Zusammentreffen in Kirchen und Moscheen unterbunden, Geschäfte mussten schließen und auch Busse fahren nicht mehr. Im Zuge der Maßnahmen, die noch bis 3. Mai gelten, seien die Preise für Lebensmittel gestiegen, Brot sei knapp und Hygieneartikel wie Seife kaum erhältlich, berichtete der JRS.

Um besonders Familien in der Coronakrise zu unterstützen, hat der Flüchtlingsdienst bereits zu Beginn der Krise damit begonnen, Hygiene-Pakete und Lebensmittel zu verteilen. So konnten laut JRS allein in den Städten Jeramana und Aleppo knapp 700 Familien unterstützt werden, u.a. mit antibakteriellen Handseifen.

Wegen der Ausgangsbeschränkungen gäbe es aktuell kaum Arbeitsmöglichkeiten. Eltern, die handwerklichen Berufen nachgehen, könnten also kein Geld verdienen, erläuterte P. Fonseca die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der staatlichen Corona-Maßnahmen. Aktuell würden Familien aber auch per Telefon begleitet, etwa von den JRS-Gemeinschaftszentren.

Zu Beginn habe eine Art “Stillstand” geherrscht. So mussten auch die Einrichtungen der Jesuiten geschlossen und Aktivitäten in den Lern- und Gemeinschaftsräumen des JRS eingestellt werden. Mittlerweile konnte u.a. das Gesundheitszentrum in Aleppo wieder geöffnet werden, berichtete der Leiter des JRS-Länderbüros in Syrien. Zudem bereite der JRS in Kooperation mit einem regionalen Team und Spendern einen Plan für die Zeit nach dem COVID-19-Lockdown vor. Geplant sei u.a. eine Lernmappe für Kinder, um den Schülern trotz geschlossener Schulen das Lernen zu ermöglichen.

Warnung vor Corona-Ausbruch

Auch das päpstliche Hilfswerk “Missio Österreich” hat vor einem Corona-Ausbruch in den umkämpften Gebieten Syriens gewarnt. Vor allem die zuletzt umkämpfte Region Idlib im Nordwesten Syriens sei nicht auf eine Covid-19-Pandemie vorbereitet, warnte etwa der Franziskaner Hanna Jallouf in einem Interview mit “Missio Österreich”. Aktuell gebe es aufgrund der Corona-Krise einen Waffenstillstand in der Region.

Anfang April gab es zehn nachgewiesene Corona-Fälle in Syrien. Allerdings wurde nur in der Hauptstadt Damaskus getestet. Inzwischen wurde auch in Idlib damit begonnen worden, Corona-Tests durchzuführen.