Betrachtet man die Gelübde isoliert, machen sie keinen Sinn. Ihn ergeben sie erst im Verhältnis zu Gott, denn sie helfen uns bei dem Versuch, eine tiefe Beziehung zu ihm zu leben. So finden wir Erfüllung, indem wir für und mit ihm leben wollen.

Die Gelübde sind für uns eine Form, in der Freiheit zu wachsen und zu einem erfüllten Leben zu gelangen.

Am 31. Juli 2020, zum Ignatiusfest, haben P. Albert Holzknecht SJ und P. Hans Brandl SJ ihre letzten Gelübde in der Jesuitenkirche in Innsbruck abgelegt. Wir haben beide gefragt, warum sie sich entschieden haben, Jesuit zu werden. P. Albert Holzknecht SJ macht den Anfang.

Albert Holzknecht SJ – Mein Weg in den Jesuitenorden

Mit einem Jesuiten kam ich das erste Mal im Herbst 1984 als Seminarist während der Jahresexerzitien in Völs am Schlern in Kontakt. Einen anderen Jesuiten lernte ich in meinem Auslandsjahr in Würzburg kennen. Er war damals Studentenseelsorger in der Katholischen Hochschulgemeinde und wurde mein geistlicher Begleiter. Noch vor meiner Diakonenweihe 1988 machte ich das erste Mal die 30-tägigen Exerzitien bei einem Jesuiten in St. Andrä im Lavanttal. Später als Priester fuhr ich immer wieder nach Innsbruck zur geistlichen Begleitung bei einem Jesuiten.

Intensiver kennen und schätzen lernte ich Jesuiten und die ignatianische Spiritualität während meiner Ausbildung für geistliche Begleitung und Exerzitienbegleitung. Mir gefielen besonders die Christuszentrierung, die Weltzugewandtheit und Bodenständigkeit der ignatianischen Spiritualität. Bereits als Spiritual im bischöflichen Institut Vinzentinum und dann als Spiritual im Priesterseminar in Brixen hatte ich Gelegenheit, in die Exerzitienarbeit einzusteigen, und gemerkt, dass mir diese Arbeit viel Freude bereitet. Immer stärker kam mit der Zeit in mir die Frage auf, ob ich nicht in den Jesuitenorden eintreten solle. Nach einem intensiven Entscheidungsfindungsprozess wagte ich im Jahre 2005 schließlich den Eintritt in den Jesuitenorden. 15 Jahre dauerte die Zeit des Mich-Prüfens und Mich-Prüfen-Lassens, und mit den Letzten Gelübden am diesjährigen Ignatiusfest werde ich nun „Vollmitglied“ der Gesellschaft Jesu, das heißt, der Orden sagt nun auch definitiv Ja zu mir und zu dem, was zu mir gehört.

In der Zeit von meinem Eintritt in den Orden bis heute hat sich das Bild vom Jesuit-Sein gewandelt. Ich hatte ziemlich hohe Ideale von den Jesuiten und bin im Laufe der Zeit darauf gekommen, dass es auch im Jesuitenorden „menschelt“. Vielleicht ist es genau das, was für mich nach wie vor anziehend ist an der Gesellschaft Jesu: dass es in ihr um Menschwerdung geht, um die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und um unsere eigene Menschwerdung. Als Menschen, die ihre starken Seiten haben, aber auch ihre Schwächen, stehen wir im Dienste Gottes und der Menschen oder, um es mit den Worten der 32. Generalkongregation auszudrücken: „Was heißt Jesuit sein? Erfahren, dass man als Sünder trotzdem zum Gefährten Jesu berufen ist.“

Albert Holzknecht SJ