Unser Leben ist schnell und kurz, Gott aber ist langsam und ohne Ende: Darum kommen immer wieder Momente, wo das eine mit dem anderen nicht vereinbar scheint, und wir sollen auch nicht wissen, wie es sich vereint: sondern nur offenen Herzens für das Mysterium da sein, dass das Große im Geringen Raum hat: Dass in der Intensität unseres Daseins ein Augenblick Ewigkeit sich verdichten kann, der mit Gottes ununterbrochenen Ewigkeiten zusammenfällt.

Rainer Maria Rilke an seine Mutter zu Weihnachten 1909

 

Wir wissen es nicht, aber wir können offenen Herzens für das Mysterium da sein, wie Rilke es ausdrückt. Die Menschwerdung Gottes lässt sich mit dem Verstand nicht begreifen. Wir können seine geheimnisvolle Gegenwart in unserer Geschichte nur im Glauben erspüren und sie an der Krippe im Kind staunend betrachten.

Ich wünsche – auch im Namen meiner Mitbrüder – ein frohes Weihnachtsfest und Gottes reichen Segen für das kommende Jahr.

Ihr

P. Bernhard Bürgler SJ
Provinzial der Jesuiten in Österreich