Pater Franz Jálics SJ ist am 13. Februar 2021 im Alter von 93 Jahren gestorben. Nach einer Corona-Erkrankung war er am Donnerstag aus dem Krankenhaus in ein Altenheim in Budapest zurückgekehrt, wo er seit 2017 gelebt hatte. Der Jesuit, Theologe und Buchautor gilt als ein Pionier für die Aktualisierung der Exerzitien des Ignatius von Loyola in die heutige Zeit. 1984 gründete das Exerzitienhaus Gries. In seinem Buch „Kontemplative Exerzitien – Eine Einführung in das Jesusgebet und in eine kontemplative Lebenshaltung“ beschrieb er den „Grieser Weg“ der Kontemplation.

1927 in Budapest geboren, machte Franz Jálics als 17-Jähriger im Zweiten Weltkrieg während der Bombardierung Nürnbergs eine tiefe religiöse Erfahrung, die seinen weiteren Glaubensweg entscheidend prägte. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn holte er das Abitur nach und trat 1947 ins Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Unter dem Druck der kommunistischen Regierung musste er das Land verlassen und absolvierte seine philosophischen Studien in Pullach und Löwen/Belgien. Nach weiteren Studien in Chile und dem Theologiestudium in Buenos Aires/Argentinien dozierte er dort Fundamentaltheologie und Dogmatik und begleitete als Spiritual die Scholastiker. 1974 zog er in ein Elendsviertel von Buenos Aires, um das Leben mit den Armen zu teilen. Er wurde von den argentinischen Militärs verfolgt und war ein halbes Jahr lang in einer Zelle mit verbundenen Augen eingesperrt. Seit 1978 lebte Jálics in Deutschland und gab Exerzitien in dem von ihm aus der Erfahrung seines Lebens geprägten kontemplativen Stil.

Pater Bernhard Bürgler SJ, der als Nachfolger von Franz Jálics SJ das Haus Gries von 2004 bis 2008 leitete, erinnert sich:

„Ich weiß noch, als ich ihm das erste Mal begegnete. Es war kurz nachdem er von Argentinien nach Deutschland gekommen war. Ich war beeindruckt von seiner Ausstrahlung, von seiner Lebensgeschichte, von seinem Anliegen, Menschen zu Gott zu führen. Ich hatte das Gefühl, einen Menschen zu treffen, der in sich einen Auftrag spürt, der weiß, was er will und der einen geistlichen Weg zeigen kann, der für heutige Menschen gehbar und hilfreich ist. Seit damals haben sich viele Menschen seiner Führung anvertraut. Sie haben ihn erlebt als jemanden, der Gott erfahren hat, und der andere näher zu ihm hinführen will und kann: einen Lebemeister. Geistliche Menschen – sie werden gesucht, innerhalb und außerhalb der Kirche, gerade heute.

Franz Jálics hat vielen Menschen einen Weg zu Gott, zu sich selbst und zu den Menschen gezeigt. Diesen Weg wurde er selbst geführt und ist ihn konsequent gegangen. Auf seiner eigenen Erfahrung aufbauend hat er ihn weitervermittelt. Dieser Weg ist eine Gebetsweise, das kontemplative Jesus-Gebet. Er ist aber mehr als das, er ist eine Lebensweise; eine Weise des Umgangs mit der Welt, den Menschen und sich selbst. Dieser Weg führt vom Denken zum Spüren und Wahrnehmen, von der Vergangenheit und Zukunft ins Hier und Jetzt, in die Gegenwart. So kann allmählich etwas von der Gegenwart Gottes aufleuchten, so kann der Ich-Bin-Der-Ich-Bin erfahrbar werden.

Franz Jálics war ein Praktiker. Seine Stärke war weniger über das Wesen von Kontemplation nachzudenken, zu schreiben und zu sprechen, als Menschen ganz konkret, Schritt für Schritt einen kontemplativen Weg zu zeigen und sie auf ihm zu begleiten. Die Beschreibung, was im Gehen dieses Weges geschieht, was einem begegnet, wie man mit bestimmten Phänomenen, die sich einstellen, umgehen und wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll, damit der Weg weiterführt, war sein Anliegen. Hilfreiche Anleitung und Begleitung eines kontemplativen Weges, darum ging es ihm.

Diese einfache Weise des Betens und Lebens, die er zeigte, gründet zutiefst in der christlichen Tradition. Sie trifft ein Bedürfnis unserer heutigen Zeit. Die Sehnsucht nach Ruhe und Stille, nach einfachem Dasein und nach Erfahrung ist groß.

Durch den Weg, den er zeigte, gelang es ihm, eine in vielen Menschen lebende Sehnsucht zu stillen. Auf diesem Weg geschieht Verwandlung und Heilung. Viele Menschen haben das erfahren. In Religion, in der christlichen Religion steckt eine große transformative Kraft.

Mit dem von ihm gegründeten Haus Gries hat Franz Jálics zudem einen heute weit über Deutschland, ja sogar über Europa hinaus bekannten Ort geschaffen, der unzähligen Menschen Bezugspunkt und Heimat geworden ist. In Zeiten, in denen Menschen sich mit einer Bindung an die Kirche als Ganze oder eine bestimmte Pfarrei schwertun, sind solche geistliche Orte von Bedeutung. Bis heute werden in diesem Haus das ganze Jahr über kontemplative Exerzitienkurse angeboten. Die Atmosphäre der Stille, der Einfachheit, der Solidarität ist spürbar. Sie zieht Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Religion und Konfession an. Dort finden sie einen Raum, in dem sie zur Mitte finden können, wo das göttliche Wort hörbar werden kann.

Mensch, Weg, Ort diese drei Begriffe, die für mich das Lebenswerk von Pater Franz Jálics charakterisieren, scheinen mir zukunftsweisend zu sein. Wenn es der Kirche, wenn es uns gelingt, mehr davon zu haben, dann ist es möglich, die meines Erachtens große spirituelle Sehnsucht der Menschen heute aufzugreifen und ‚den Seelen zu helfen‘ – wie es Ignatius von Loyola ausgedrückt hat, zu dessen Orden Franz Jálics gehört.“