„Es gibt so viele Christen im Stillstand, die nicht weiter gehen; Christen, die im Sand der Alltagsdinge steckengeblieben sind – auch gute Leute, aber sie wachsen nicht, sie bleiben klein. Geparkte Christen. Sie haben sich eingeparkt. Christen im Käfig, die nicht fliegen können mit dem Traum, zu dem Gott uns ruft.“

Das sagt Papst Franziskus. Seine Diagnose ist deutlich, seine Worte sind hart. Er will uns damit aber nicht niedermachen, nein, er will uns vielmehr aufrütteln. Er möchte uns in Bewegung bringen. Er möchte, dass wir aufwachen, dass wir aufbrechen, dass wir hinausgehen in die Welt, hin zu den Menschen, besonders zu denen am Rand.

Petrus Canisius, dessen 500. Geburtstag wir heuer begehen, hat das wie wenige vor und nach ihm getan. In Nijmegen, seinem Geburtsort, sind in einer Kirche Canisius’ Schuhe zu sehen: abgetragen, ausgelatscht, verbraucht. Es sind die Schuhe eines Menschen, der sich aufgemacht hat, die Botschaft Jesu zu den Menschen zu bringen, lebendig, neu und frisch.

Die Kirche heute steht, mit ausgelöst durch einen gewaltigen gesellschaftlichen Umbruch, wieder vor einer Reform. Strukturen und Gewohnheiten, die über eine lange Zeit getragen haben, verlieren mehr und mehr an Kraft. Vieles, was uns lieb geworden ist, bricht weg. Es gilt aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Mit der Errichtung der Zentraleuropäischen Provinz am 27. April 2021, dem Gedenktag des Heiligen Petrus Canisius, tun wir das. Wir tun es „to better serve the mission“. So beschreibt P. General Arturo Sosa SJ den Grund für diese Neugründung. Ich hoffe, dass es uns gelingt, unsere Sendung, die Frohe Botschaft, heute glaubhaft zu leben und sie in Wort und Tat zu verkünden.

P. Bernhard Bürgler SJ

P. Bernhard Bürgler SJ
geb. 1960 in Lienz/Osttirol

Pater Bürgler ist seit 2014 Provinzal der Österreichischen Jesuitenprovinz und wird auch die neue Zentraleuropäische Jesuitenprovinz als Provinzal leiten. Er ist ein ausgewiesener Experte in den Bereichen Spiritualität, Exerzitien, Meditation und Psychoanalyse. Nach dem Noviziat promovierte er in Theologie und machte zudem eine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Im Orden war er unter anderem Spiritual im Priesterkolleg Canisianum (Innsbruck), Leiter des Exerzitienhauses „Haus Gries“ (Wilhelmsthal) und Bereichsleiter für Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus (Wien).