Fr 25

Messe mit der Jesuitenkommunität

25. Oktober | 7:15
Zelebrant: P. Hannes König SJ
Nov 08

Messe mit der Jesuitenkommunität

8. November | 7:15
Zelebrant: P. Wolfgang Dolzer SJ
Nov 15

Messe mit der Jesuitenkommunität

15. November | 7:15
Zelebrant: P. Toni Witwer SJ

Jesuiten in Graz

Nach einer längeren Unterbrechung gibt es seit 2007 wieder eine kleine Jesuitenkommunität in Graz. Vier Jesuiten arbeiten als Spiritual im Priesterseminar, als Seelsorger im Gefängnis und Krankenhaus sowie in der Studierendenseelsorge.

Kontaktdaten Graz

Zinzendorfgasse 3, 8010 Graz
0043 (0)664 7627085
toni.witwer@jesuiten.org

Superior:
P. Toni Witwer SJ

Geschichte der Jesuiten in Graz

Bis zur Aufhebung 1773

Als Erzherzog Karl, der Sohn von Kaiser Ferdinand I., seit 1564 Landesfürst in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain und Istrien), die Regierung antrat, waren die Steiermark sowie die Hauptstadt Graz zum Großteil protestantisch – von circa 12.000 Grazern waren nur mehr etwa 200 katholisch. Daher holte er zunächst im März 1570 P. Stephan Rimel für Fastenpredigten nach Graz. Die erste Niederlassung wurde am 3. Oktober 1573 auf seine Initiative hin gegründet. In diesem Kolleg wurde zunächst eine Schule eröffnet, da die einzige damals bestehende höhere Schule evangelisch war. Im Jahr 1585 erfolgte die Erweiterung zur Universität. (Der heutige Dom war damals die Jesuitenkirche, das Bischöfliche Priesterseminar ist im Gebäude des Kollegs untergebracht.) Gründungen späterer Jahre waren das Ferdinandeum für arme Studenten, ein Adelskonvikt und ab 1747 ein Konvikt für arme Schüler, das Josephinum.

Das Kolleg hatte von Anfang an einen großen Zulauf, weniger aus der Stadt als vielmehr vom Land und aus den Nachbarländern wie Kroatien, Slawonien, Ungarn, Polen, Deutschland und Skandinavien.

Der Sohn Karls, der spätere Kaiser Ferdinand II., gilt durch die Vergrößerung der Stiftung um die Herrschaft Millstatt als zweiter Gründer der Hochschule. Die Zahl der Studenten stieg von 363 im Jahr 1584 bis auf 1.100 1618 und schließlich auf 1.400 im Jahr 1749. Insgesamt besuchten zwischen 1586 und 1773 32.489 Studenten die Grazer Hochschule.

In der Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation war um die Wende des 16. Jahrhunderts die katholische Partei in der Steiermark so stark geworden, dass Kaiser Ferdinand sein Recht als Landesherr („Cuius regio, eius religio“) in vollem Umfang geltend machen konnte. So hob er etwa 1598 die protestantische Schule in Graz auf. Am weitgehenden Erfolg der Rekatholisierung der Steiermark hatten die von den Jesuiten geführte Schule und die Universität großen Anteil – um 1680 war Graz wieder völlig katholisch.

Viele Professoren der Hochschule waren berühmte Männer, wie etwa Peter Pázmány, später Kardinal und Primas von Ungarn, Wilhelm Lamormaini (Beichtvater Kaiser Ferdinands II.) oder der Dramatiker Nicolaus Avancini. Zu den Studenten zählten die Heiligen John Ogilvie SJ, Stephan Pongracz SJ und Jan Sarkander. [In Zusammenhang mit der Heiligsprechung Sarkanders im Jahr 1995 betonte Papst Johannes Paul II., dass er darin eine Gelegenheit sehe zu versichern, dass solche Sünden gegen die Liebe Christi – nämlich die religiösen Kriege im 17. Jahrhundert zwischen Protestanten und Katholiken – nie mehr geschehen dürfen.]

Die Arbeit der Grazer Jesuiten beschränkte sich aber nicht auf den Unterricht in der Schule und an der Universität. Bis zur Aufhebung wirkten sie auch durch Predigten, das Beichthören, das Geben von Exerzitien, die Leitung von Marianischen Kongregationen und durch Volksmissionen.

Nach der Wiedererrichtung 1814

1829 wurde das Noviziat der Galizisch-Österreichischen Provinz nach Graz verlegt. Es übersiedelte 1832 in das damals verlassene Dominikanerkloster. Kurz nach der Neugründung der Österreichischen Provinz 1846 kam es im Zuge der Revolution von 1848 im März zur Vertreibung der Jesuiten aus Graz und im Mai zur Verbannung aus Österreich. Die Begründung dafür lautete: sie hätten die Schuld an allen Unruhen und würden ihren Aufgaben nicht gerecht werden; zudem wären sie überflüssig, da für die Bildung der Jugend auch ohne sie ausreichend gesorgt sei.

Erst 1852 wurde der Orden offiziell wieder in Österreich zugelassen. Nach Graz kehrten die Jesuiten aber erst im Jahre 1886 zurück, als zwei Jesuiten die Leitung der Marianischen Männer- und Frauenkongregation in der sogenannten Stiegenkirche übernahmen. Als Wohnsitz erhielten sie eine Unterkunft am Abhang des Schlossberges. Ihre Haupttätigkeit blieb viele Jahre hindurch die Leitung der verschiedenen Kongregationen. Deren älteste war die Männerkongregation, dann kamen eine Arbeiter-, Akademiker- und Frauenkongregation hinzu. Die Gründung einer Kongregation für Schüler ließ allerdings bis 1911 auf sich warten und stieß auch dann noch auf den Widerstand liberaler Kreise.

1929 ging die Stiegenkirche in das Eigentum des Ordens über. Die Seelsorgstätigkeit an dieser Kirche bildete den zweiten Schwerpunkt der Tätigkeit der Patres. Dazu kamen weiters viele Volksmissionen, Einkehrtage, Fastenpredigten und Exerzitien. Zusätzliche Arbeit ergab sich in der Kriegszeit zwischen 1914 und 1918 durch die seelsorgliche Betreuung der Verwundeten.

Auch in Graz begann 1939 der Kampf gegen die Kirche. Es gab Hausdurchsuchungen durch die Gestapo, Beschlagnahme einzelner Räume für die Hitlerjugend sowie der Musikinstrumente der ab jetzt verbotenen Marianischen Kongregationen. Im November kam es zur endgültigen Enteignung von Haus und Kirche. Die Jesuiten wurden in sogenannte Schutzhaft genommen und schließlich ausgewiesen. Kirche und Haus wurden im März 1945 durch eine Bombe schwer beschädigt.

Nach Beendigung des Krieges verfügte die sowjetische Kommandantur, dass alle enteigneten Gebäude den rechtmäßigen Besitzern zurückzustellen seien, und so kamen die Jesuiten zurück nach Graz. Der Wiederaufbau der Kirche wurde sofort in Angriff genommen, am 31. Juli 1948 konnte sie feierlich wieder eröffnet werden. Neben der Betreuung der Kirche wurden wie zuvor vor allem Exerzitien gegeben, Volksmissionen und religiöse Vorträge gehalten. 1957 musste die Residenz schließlich aus Personalmangel aufgelöst werden.

In den Jahren danach war der Orden bis ins Jahr 2000 durch einzelne Mitbrüder vertreten, die als Beichtväter im Dom, als Spiritual am Priesterseminar oder in der Katholischen Hochschulgemeinde tätig waren.

Seit 2007 haben die Jesuiten wieder eine Kommunität in der steirischen Landeshauptstadt. Vier Jesuiten arbeiten als Spiritual im Priesterseminar, als Seelsorger im Gefängnis und Krankenhaus sowie im Zentrum für Theologiestudierende und als Seelsorger für Studierende und für Akademiker.