Archivum
Provinciae Austriae
Societatis Iesu (AASI)

Nach schriftlicher Voranmeldung machen wir unsere Bestände historisch interessierten Personen zugänglich. Bitte beachten Sie dabei, dass das Archiv der Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu mit der Aufhebung des Ordens 1773 größtenteils vernichtet wurde. Nach der Wiederzulassung 1814 (in Österreich 1829) gelang es nur, einzelne alte Bestände ins Provinzarchiv zurückzuführen. Gleichzeitig wurde ab diesem Zeitpunkt ein neues Archiv angelegt.

Geschichte und Zuständigkeit

Das Archiv der Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu wurde mit der Wiederzulassung des Gesellschaft Jesu in Österreich 1829 neu angelegt. Die Bestände der bei der Aufhebung des Ordens im Jahr 1773 in staatlichen Besitz übergegangenen Archive derJesuiten in Österreich wurden dagegen weitgehend vernichtet. Reste dieser Archivbestände aus dem österreichischen Teil der Ordensprovinz finden sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek, dem Österreichischen Staatsarchiv, dem Hofkammerarchiv, der Universitätsbibliothek Wien, den österreichischen Landesarchiven und in der Bibliothek der Benediktinerabtei Pannonhalma in Ungarn.

Das heutige Archiv der Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu enthält aus der Zeit vor 1773 ebenso wie aus der Zeit der Wiederzulassung des Ordens auf dem Gebiet der ehemaligen Habsburgermonarchie (Galizien, 1820) nur Archivsplitter.

1829 wurde die Galizischen Provinz im gleichnamigen Kronland um ein Haus in der Steiermark erweitert, was zu einer Umbenennung in Galizisch-Österreichische Provinz führte. Mit der Gründung weiterer Niederlassungen verlagerte sich der Schwerpunkt der Provinz nach Österreich und der Name wurde in Österreichisch-Galizische Provinz geändert (1838).

1846 teilte man die Provinz in eine österreichische und eine galizische Hälfte.

Im Revolutionsjahr 1848 wurden die Jesuiten aus Österreich weitgehend vertrieben, die Provinz blieb bis 1852 als Provincia dispersa („zerstreut“) bestehen. Die damals aufgenommene seelsorgliche Begleitung von katholischen Auswanderern führte österreichische Jesuiten nach Nordamerika und als erste Jesuiten überhaupt nach Australien. In der Folge wurde eine österreichische Mission in Südaustralien (Sevenhill) errichtet (1848-1901).

Dem staatspolitischen Ausgleich mit Ungarn von 1867 wurde 1871 mit einer Umbenennung der Österreichischen in Österreichisch-Ungarische Provinz Rechnung getragen, die Trennung der beiden Provinzhälften erfolgte 1909, wobei Kroatien trotz seiner Zugehörigkeit zum Königreich Ungarn im Status eines Missionsgebietes beim österreichischen Teil verblieb. Mit dem Ende der Habsburgermonarchie nach dem Ersten Weltkrieg wurden auch die böhmischen und südeuropäischen Provinzteile abgekoppelt: Es kam zur Errichtung einer eigenen Tschechoslowakischen und einer Kroatischen Provinz, die italienischen Häuser Trient, Görz und Triest wurden der Provinz Veneto zugeschrieben (1919).

Akten und Registraturen zu den Niederlassungen in anderen Kronländern der ehemaligen Habsburgermonarchie wurden bei den vorgenommenen Umstrukturierungenan die jeweils neuen Ordensprovinzen abgegeben, im österreichischen Provinzarchiv verblieben sind nur Einzelstücke.

Bestände und Sammlungen

Seit 1919 besteht die Österreichische Provinz der Gesellschaft Jesu auf dem heutigen Staatsgebiet. Ab diesem Zeitpunkt liegen die Akten der Provinz und der Provinzverwaltung im Archiv der Österreichischen Provinz vor.

Dem Archiv angeschlossen sind Dokumente und Materialien aus der österreichischen Australien-Mission (1848-1901) sowie der China-Mission (ab 1881). 1939 übernahm die Österreichische Provinz die Apostolische Präfektur Kinghsien (heute das Bistum Jingxian) als eigenes Missionsgebiet. Dessen Archiv wurde von den österreichischen Jesuiten bei ihrer Vertreibung aus China durch die Kommunisten 1954 z.T. außer Landes gebracht und befindet sich heute ebenfalls im Archiv der Österreichischen Provinz.

Als nachgeordnetes Archiv verwahrt das Provinzarchiv auch die Hausarchive ehemaliger Niederlassungen in Österreich sowie das Archiv des Jesuitenkollegiums Kalksburg (1856-1992). Das Archiv des Jesuitengymnasiums Stella Matutina in Feldkirch (1856-1976) fällt hingegen in die Zuständigkeit der Schweizer Provinz der Gesellschaft Jesu und wird im Schweizer Provinzarchiv verwahrt.

Das Nachlassarchiv umfasst die persönlichen Nachlässe von rund 350 österreichischen Jesuiten seit 1829, mit Schwerpunkt im 20. Jahrhundert.

Das Fotoarchiv dokumentiert die Jesuitenniederlassungen und -kommunitäten in Österreich und enthält Porträts der österreichischen und der in Österreich tätigen Jesuiten.

In eigenen Reihen werden Sondersammlungen zur Geschichte der Österreichischen Provinz der Gesellschaft Jesu geführt: Primiz- und Sterbebildchen der österreichischen Jesuiten, Ansichtskarten der Niederlassungen im ehemaligen und heutigen Provinzgebiet, Kunstgüter, Gemälde und Graphiken, Kongregationsdiplome, Reliquien, Medaillen, Karten und Pläne sowie Medien (Glasplatten, Filmrollen, Dias, VHS, MC, CD, DVD) und Musealia.

Die Bibliothek des Archivs der Österreichischen Provinz enthält einen historischen Buchbestand sowie eine Handschriftensammlung aus der Zeit der Alten Gesellschaft Jesu aus dem 16.-18. Jahrhundert. Diese rund 3.000 Bände jesuitischer Provenienz sind thematisch breit gefächert und reichen von Ordensgeschichte, Theologie und Aszetik, Geschichte, Geographie und Völkerkunde sowie Literatur und Dichtung bis zu naturwissenschaftlichen Disziplinen. Die eigentliche Archivbibliothek ist eine Belegbibliothek und sammelt das Schriftgut österreichischer Jesuiten sowie Literatur zu österreichischen Ordensniederlassungen und Einrichtungen (Werken) des Ordens ins Österreich.

Kontakt

Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1, 1010 Wien
0043 (0)1 5125232-50
archiv.at@jesuiten.org

Archivarin:
Dr. Martina Lehner